Mode und Design

Wie wohnen wir in der Zukunft?

von Christina Busch, am 10.03.2020

Tiny Houses, Shared Living, Smart Homes – die Wohnsituation wird sich in Zukunft immer mehr an die wachsende Population anpassen müssen. Aber was, wenn die Häuser nicht mehr kleiner, höher oder smarter werden können? Wenn trotz Co-Living-Spaces auf der Erde nicht mehr genug Platz für uns Menschen ist? Milla Anttila hat sich in ihrer Bachelorarbeit in Raumkonzept und Design (B.A.) an der AMD Akademie Mode & Design, Fachbereich Design der Hochschule Fresenius, von ihrem vorherigen Astrophysik-Studium inspirieren lassen. Dafür stellte sie sich die Frage, wie das anstrengende Leben im All, auf der Internationalen Raumstation, wohnlich gestaltet werden kann.

Titel deiner Bachelorarbeit ist „Experimente im Weltraum – Gestaltungsvorschläge für die Internationale Raumstation“. Worum geht es in deiner Arbeit?

Bei der Themenauswahl der Bachelorarbeit war mein Wunsch, meine naturwissenschaftlichen Wurzeln mit der Innenarchitektur zu vereinen, und so meiner Faszination für das Weltall nachzugehen. In der Arbeit wird der extremste Ort, den die Menschen zurzeit dauerhaft behausen, betrachtet: die ISS. Hier führen die Umstände des Alls zu äußerst hohen technischen Anforderungen und Einschränkungen der Lebens- und Arbeitsräume.

Das Ziel der Arbeit ist es, die vorherrschenden Gegebenheiten der ISS aufzuzeigen, um dann Gestaltungsvorschläge zu stellen, die das räumliche Wohlbefinden der Astronauten steigern. Dazu bin ich Probleme der Eingeschränktheit, Isoliertheit und der sozialen Monotonie angegangen und habe beispielsweise ein hypothetisches modulares Gewächshaussystem und ein neues Aussichtsmodul entwickelt.

Was sind die technischen Anforderungen und Einschränkungen?

Das Weltall ist eine sehr feindliche Umgebung für Lebewesen wie den Menschen. Auf der Umlaufbahn der Erde herrschen nicht nur die Mikrogravitation, sondern auch extreme Temperaturschwankungen, ein verzerrter Tag-Nacht-Rhythmus, kosmische Strahlung. Vom Fehlen einer Atmosphäre ganz zu schweigen. All das ergibt Innenarchitekturen, die durch ihre Isoliertheit hochtechnisch und eingeschränkt sind, und dadurch an vielen Stellen auf gewohnte Gemütlichkeit verzichten müssen.

Welche Faktoren sind notwendig, um das Leben auf der Raumstation zu verbessern?

Durch die Isoliertheit der Station muss sie als Lebensraum alles bieten, was ein Astronaut braucht. Vor allem die Eingeschränktheit ist dabei eine große Herausforderung. Aus Anekdoten der Astronauten geht hervor, dass die Cupola mit ihren vielen Fenstern zum Lieblingsort geworden ist. So stelle ich das Konzept eines neuen Aussichtsmoduls vor, das nicht nur eine Aussicht bieten, sondern auch im Zentrum Platz, um die Mikrogravitation voll ausnutzen zu können. Zudem sollen Projektionen, virtuelle Fenster und optische Täuschungen das Raumgefühl positiv beeinflussen.

Ebenso muss ein für den Menschen natürlicher Tag-Nacht-Rhythmus erschaffen werden. Die ISS erlebt 16 Sonnenauf- und -untergänge innerhalb von 24 Stunden. Deshalb muss ein Zeitgefühl künstlich hergestellt werden. Dazu nehme ich die Natur zur Hilfe, um das Vergehen der Zeit sichtbar zu machen. Dies kann in Form von Projektionen geschehen, oder indem man tatsächlich natürliche Elemente in den Raum integriert: Hier habe ich ein modulares Gewächshaussystem entwickelt, bei dem das Pflanzenwachstum das Vergehen der Zeit sichtbar macht. Auch die Darstellung von längeren Zeiträumen ist relevant, denn nicht zuletzt verbrachte die US-Amerikanerin Christina Koch fast ein ganzes Jahr auf der ISS.

Die soziale Monotonie ist eine zentrale Herausforderung der bemannten Raumfahrt. Private Rückzugsorte und gemeinschaftliche Freizeiträume sind dabei essentiell. Und auch der intuitive Kontakt zurück zur Erde zu Freunden und Familie könnte weiterentwickelt werden.

Könntest du dir vorstellen, dass die Menschen im All wohnen?

In meiner Arbeit gehe ich vor allem auf die psychologischen Herausforderungen des Lebens auf der ISS ein. Die physiologischen Veränderungen, die die kosmische Strahlung und Mikrogravitation mit sich bringen, sind aber keineswegs zu vernachlässigen. Zum jetzigen Zeitpunkt kommen mir die Gegenmaßnahmen für gesundheitliche Probleme zu aufwändig vor, um eine Kolonie im All aufrechterhalten zu können. Das Leben auf dem Mond oder auf dem Mars ist eine andere Sache. Mit genug Zeit und technischem Fortschritt sehe ich dies durchaus als realistisch.

Wie stellst du dir Wohnen in der Zukunft vor?

In meiner idealen Zukunft leben die Menschen in einer Kreislaufwirtschaft. Sie wohnen gemeinschaftlich und teilen die Ressourcen, anstatt alles selbst zu besitzen. Für mich ist die ISS auf ihre Weise ein Mikrokosmos des Wohnens in der Zukunft. Die Station, wie später vielleicht mal ein Wohnblock, ist ein geschlossener Kreislauf, der in der Lage ist, seine Energie selbst du produzieren sowie das Abwasser wiederzuverwerten.

Wo würdest du am liebsten wohnen? Wo denkst du, wirst du später wohnen?

Ich würde am liebsten von der Natur umgeben sein. Als Finnin ist sie einer der wichtigsten Aspekte im meinem Leben. Es muss nicht unbedingt ein Wald, sondern kann auch die Großstadt sein, wenn die Umgebung genug Möglichkeiten für das Erleben der Natur bietet.

Über den Autor

Christina Busch
Christina Busch arbeitet an der AMD Akademie Mode & Design im Bereich Presse & Kommunikation.

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