Wirtschaft und Management

Wasser – Quelle des Lebens(mittels)

von Redaktion, am 25.02.2016

Deutsche Verbraucher gelten als vergleichsweise kritisch: Sie interessieren sich für die Herkunft von Konsumgütern, ihnen ist wichtig, dass bei deren Produktion keine Menschenrechte verletzt oder Tiere gequält wurden. Wie viel Wasser bei der Herstellung verbraucht wurde, spielt bei der Produktbewertung dagegen keine Rolle, wie die Absolventin Katharina Lubbe in ihrer Bachelorarbeit herausgefunden hat. Dabei sollte man gerade mit der Ressource Wasser viel sorgsamer umgehen, findet sie.

„DURST!“, so lautet der Titel der Dokumentation, mit der alles anfing. Der bekannte Journalist und Nachrichtensprecher Klaus Kleber beschäftigt sich darin mit dem Rohstoff Wasser und spricht sich für einen bewussteren Umgang mit der lebensspendenden Ressource aus. „Nachdem ich den Film damals 2014 gesehen hatte, habe ich angefangen, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich habe viel gelesen und schließlich beschlossen, darüber auch meine Bachelorarbeit zu schreiben“, erzählt Katharina Lubbe, Absolventin der Hochschule Fresenius Düsseldorf.

Vielleicht, so sei damals ihre Hoffnung gewesen, könne sie auf diese Weise auch dafür sorgen, dass dem Problem mehr Aufmerksamkeit zukomme. Denn bislang werde der Ressource Wasser von den eigentlich kritischen deutschen Verbrauchern nur wenig Beachtung geschenkt. „Dass bei der Herstellung eines Produkts keine Kinderarbeiter eingesetzt oder Tiere gequält werden, ist den meisten Menschen sehr wichtig. Wenn es aber um die Wassermenge geht, die dabei verbraucht wird, sind viele völlig indifferent und ahnungslos“, berichtet Lubbe unter Bezugnahme auf entsprechende Untersuchungen.

Rund 130 Liter verbraucht jeder Deutsche pro Tag – doch das ist nur die halbe Wahrheit

Dabei ist man hierzulande in Sachen Wasserverbrauch eigentlich vernünftiger geworden: Rund 130 Liter konsumiert jeder Deutsche im Tagesdurchschnitt, Ende der 1980er Jahre lag der Verbrauch noch rund zehn Liter höher. Dieser Wert bilde allerdings nur einen Teil der Wahrheit ab, warnt Lubbe: „Die Zahl bezieht sich auf den persönlichen Wasserverbrauch durch das tägliche Trinken, Kochen, Duschen oder Waschen. Hier liegen die Deutschen weltweit gesehen im Durchschnitt. Wenn wir aber berücksichtigen, wie viel Wasser wir indirekt verbrauchen, nämlich indem wir Waren kaufen, für deren Produktion jede Menge Wasser benötigt wird, schneiden wir nicht mehr ganz so gut ab.“

Rechnet man diesen „virtuellen Wasserverbrauch“ noch obendrauf, werden hierzulande Schätzungen zufolge zwischen 4000 und 5000 Liter Wasser pro Kopf verbraucht – und zwar täglich. Diese Zahl erscheint auf den ersten Blick ziemlich hoch. Man müsse sich aber nur vor Augen führen, wie bewässerungsintensiv die Herstellung von Obst und Gemüse sei, „dann wird einem klar, dass diese Größenordnung realistisch ist“, so Lubbe. „Laut Studien werden 70 Prozent des Süßwassers der Erde für die Lebensmittelproduktion aufgewendet. Die Bevölkerung wächst weiter und das Klima wird vielerorts trockener – da ist es klar, dass irgendwann Grenzen erreicht werden“, ist sich die frisch gebackene Wirtschaftspsychologin sicher.

Ein höherer Informationsstand zum Wasserverbrauch bei der Lebensmittelherstellung wirkt sich nicht auf die Bewertung eines Produkts aus

Deshalb müsse man die Bevölkerung endlich stärker für das Thema Wasserverbrauch sensibilisieren. Denn wie auch die Ergebnisse ihrer Untersuchung zeigen, taucht es bislang nicht wirklich auf dem Radar deutscher Konsumenten auf. Lubbe hatte im Rahmen ihrer Bachelorarbeit über 800 Personen zur Teilnahme an einer Online-Befragung bewegen können. Per Zufallsverfahren teilte sie die Probanden dabei in zwei Gruppen auf: Der einen Gruppe wurde nach Aufruf des Umfrage-Links zunächst ein Informationstext eingeblendet, in dem der Wasserverbrauch in der Lebensmittelproduktion problematisiert wurde. Anschließend sollten die Teilnehmer eine Produktbewertung zu einer abgebildeten Schale Erdbeeren abgeben, auf der deutlich sichtbar ein fiktives Qualitätssiegel für nachhaltige Wasserwirtschaft prangte. Die andere Gruppe sollte exakt das gleiche Produkt beurteilen – allerdings wurden die Probanden diesmal vorab nicht über den Wasserverbrauch in der Lebensmittelherstellung aufgeklärt.

Die Frage, die sich Lubbe in diesem Zusammenhang stellte: Wirkt sich ein höherer Informationsstand zum Wasserverbrauch in der Lebensmittelindustrie positiv auf die Bewertung von Lebensmittelprodukten aus, bei deren Herstellung nachgewiesenermaßen auf einen sparsamen Wassereinsatz geachtet wurde? Nach der Auswertung der Daten kann Lubbe eine relativ eindeutige Antwort geben: Nein, er wirkt sich nicht positiv aus, zwischen den Gruppen waren keine Unterschiede zu erkennen. „Es scheint vielmehr so, dass für die Beurteilung von Lebensmitteln vor allem das Aussehen des Produktes eine Rolle spielt“, resümiert Lubbe. Dieses Resultat habe sie so nicht erwartet, gesteht sie.

Natürlich sei ihre Untersuchung verbesserungsbedürftig: „Unter den Teilnehmern fanden sich zum Beispiel zu 80 Prozent Frauen, das ist schon problematisch.“ Die Ergebnisse seien daher nur bedingt aussagekräftig, so Lubbe. „Dass aber der Wasserverbrauch bei der Beurteilung eines Produkts so wenig beachtet wird, sollte schon Anlass zur Sorge geben.“

Über die Bachelorarbeit: Katharina Lubbes Bachelorarbeit trägt den Titel „Die Bedeutung von Qualitätssiegeln in der Kaufentscheidung der Konsumenten – Studie zur Wirkung eines Qualitätssiegels für nachhaltige Wasserwirtschaft“. Unter katharinalubbe@gmail.com ist sie gerne bereit, nähere Auskünfte zu den Ergebnissen ihrer Untersuchung zu geben.

ÜBER DEN AUTOR

Redaktion
Die adhibeo-Redaktion veröffentlicht regelmäßig Artikel zu verschiedensten Themen der Angewandten Wissenschaften, die an der Hochschule Fresenius stattfinden.

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