Gesundheit, Therapie und Soziales

Wirtschaft und Management

„Traditionell dauert es im Gesundheitswesen etwas länger, bis strategische Managementansätze ankommen“

von Redaktion, am 16.02.2017

Vertikale und horizontale Integration sind in der Industrie weit verbreitete Managementansätze. Nach und nach halten diese Ansätze auch Einzug in das Gesundheitswesen, wie Prof. Dr. Andreas Beivers, Studiendekan Management und Ökonomie im Gesundheitswesen, im Interview berichtet.

In einem kürzlich erschienenen Beitrag für das Fachmagazin GesundheitsWirtschaft haben Sie sich mit dem Trend zur vertikalen und horizontalen Integration im Gesundheitswesen auseinandergesetzt. Was ist darunter zu verstehen?

Im Allgemeinen beziehen sich die Begriffe vertikale oder horizontale Integration auf Strategien zur Erweiterung des Geschäftsbereiches von Unternehmen. Wenn sich zum Beispiel ein Automobilhersteller wie Mercedes Benz plötzlich auch im Bereich der Luft- und Raumfahrt engagiert, kann man das als eine Maßnahme zur horizontalen Integration interpretieren, da sich das Unternehmen hier in einen eigentlichen fremden Markt ausdehnt. Wenn Mercedes Benz dann zusätzlich noch beschließen sollte, die Produktion von Autozubehör, also zum Beispiel von Reifen, zukünftig „in-house“ abzuwickeln, hat auch noch eine vertikale Integration stattgefunden.

In der klassischen Industrie gehören beide Expansionsstrategien schon seit einiger Zeit zum Alltag. Im Gesundheitswesen sind seit Mitte der 90er horizontale Integrationsstrategien zu beobachten, vertikale Integration tritt dort erst seit ein paar Jahren in Erscheinung.

Warum diese Verzögerung?

Traditionell dauert es im Gesundheitswesen etwas länger, bis strategische Managementansätze aus der Industrie ankommen. Das liegt vor allem an der stärkeren staatlichen Regulierung in diesem Bereich.

Seit einigen Jahren aber beschäftigen sich auch Gesundheitsunternehmen sehr stark mit dem Thema – entsprechend sind auch Veränderungen auf dem Markt zu beobachten: Das forschende Pharmaunternehmen Novartis hat zum Beispiel im Jahr 2005 den Generikahersteller Hexal/Sandoz übernommen. Man kann diesen Schritt als eine Art Optimierung entlang der Wertschöpfungskette „Arzneimittel“ verstehen – und damit als eine vertikale Integrationsstrategie. Die Vorteile einer solchen Strategie sind beispielsweise sinkende Transaktionskosten oder auch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen über die Wertschöpfungskette hinweg.

Sind derartige Unternehmensvergrößerungen nicht auch eine Gefahr für den Wettbewerb?

Das kann man so sehen, ja. Natürlich muss man aufpassen, dass die Marktmacht einzelner Unternehmen nicht zu groß wird. In einem Sondergutachten aus dem Jahr 2012 betont auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen die Aufgabe einer strikten Kartellüberwachung, um sicherzustellen, dass es einem Anbieter nicht gelingt, seine monopolähnliche Stellung in andere Tätigkeitsgebiete zu übertragen.

Prof. Dr. Andreas Beivers ist Studiendekan für Management und Ökonomie im Gesundheitswesen der Hochschule Fresenius am Standort München.

ÜBER DEN AUTOR

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Die adhibeo-Redaktion veröffentlicht regelmäßig Artikel zu verschiedensten Themen der Angewandten Wissenschaften, die an der Hochschule Fresenius stattfinden.

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