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Bachelorarbeit zur Wirtschaftlichkeit der zweiten Stammstrecke

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von Redaktion, am 13.10.2015

Seit Jahren wird in München über den Bau eines zweiten S-Bahn-Tunnels diskutiert. Er soll zur Entspannung der städtischen Verkehrslage beitragen. Nach mehreren Tunnel-Störfällen binnen weniger Tage sind die Rufe nach einer zweiten Röhre aktuell wieder lauter geworden. Doch macht das Projekt wirtschaftlich überhaupt Sinn? Sebastian Messer, Absolvent der Hochschule Fresenius München, hat sich in einer aufwendigen Bachelorarbeit mit dieser Frage auseinandergesetzt.

Die vergangene Woche lief nicht besonders gut für die Fahrgäste der Münchner S-Bahn, in den Medien war gar von einer „Albtraum-Woche“ die Rede. Der Hintergrund: Die Stammstrecke, der zentrale S-Bahn-Tunnel der Stadt, der Ost und West miteinander verbindet und täglich von tausenden Pendlern durchfahren wird, musste gleich an drei Werktagen für jeweils mehrere Stunden gesperrt werden. Weichenstörungen sowie ein Kurzschluss waren für die Störungen verantwortlich.

Das resultierende Verkehrschaos rief sofort wieder die Befürworter einer zweiten Röhre auf den Plan, ein Vorhaben, das die Münchner Stadtverwaltung seit langem diskutiert. Mit einer zweiten Stammstrecke hätte das Chaos verhindert werden können, heißt es in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung: „Dann hätten zumindest ein paar Züge durch die zweite Röhre ausweichen können, die S-Bahn hätte ein umfangreicheres Notfallprogramm fahren können. Weniger Menschen wären in ihrer Not aufs Auto umgestiegen, somit wären auch die Staus nicht ganz so lang gewesen.“

Zunächst persönliches, dann wissenschaftliches Interesse: Wie Sebastian Messer auf das Thema seiner Thesis kam

Auch Sebastian Messer, Absolvent der Hochschule Fresenius München, befürwortet den Bau einer zweiten Röhre – und er stellt diese Meinung auf eine solide wissenschaftliche Basis: Im Rahmen seiner Bachelorarbeit hat er zahlreiche Gutachten zum Thema ausgewertet, Expertengespräche geführt und sogar fotografische Dokumentationen erstellt.

Über viele Jahre habe er sich insgesamt mit dem Potential eines zweiten Tunnels auseinandergesetzt, so Messer gegenüber adhibeo, zunächst aus rein persönlichem Interesse: „Als Gymnasiast musste ich auf meinem Schulweg zwischen zwei Münchner Vororten hin- und herpendeln. Obwohl die S-Bahn eigentlich die viel schnellere Verbindung war, habe ich fast immer den Bus genommen, weil der einfach zuverlässiger war.“

Schon damals fing er an, sich hobbymäßig mit den Ursachen dieses Phänomens zu beschäftigen. Einige Jahre später dann beschloss er, das Thema in seiner Bachelorarbeit zu behandeln. „Ich wollte mir einfach einen Gesamtüberblick verschaffen. Damit ich mir danach sicher sein kann, ob die zweite Röhre nun die Verkehrslage in und um München nachhaltig entspannt oder nicht“, so Messer. Keineswegs sei seine Untersuchung politisch motiviert gewesen. „Ich wollte vor allem wissen, ob sich der Bau wirtschaftlich lohnt“, erklärt der Bachelor-Betriebswirt.

Der Tunnel ist laut Messer der einzig sinnvolle Ansatz – und bei entsprechender Laufzeit sogar „günstig“

Seinen Auswertungen zufolge trifft das zu: Die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Projekts liegt auf der Hand. „Klar, die rund drei Milliarden Euro, die für den Bau aufgewendet werden müssten, sind viel Geld. Aber diesen Kosten steht der enorme volkswirtschaftliche Nutzen eines zweiten Tunnels gegenüber. Bei einer Laufzeit von 50 Jahren ist die zweite Röhre sogar günstig“, fasst Messer seine Analysen zusammen.

Auch alternative Ansätze zur Verbesserung der Verkehrslage, die von der Stadtverwaltung diskutiert werden, hat er im Rahmen seiner Untersuchung betrachtet. Ihnen traut er nicht zu, eine Lösung des Problems zu bringen. „Die Verlängerung der U-Bahn nach Pasing wird nicht zu der erhofften Entlastung führen. Schließlich kann eine U-Bahn nicht annähernd so viele Leute transportieren wie eine S-Bahn.“ Die ankommenden Pendler würden sich also nur dicht an dicht am Bahnsteig drängen. Auch die Idee des Südrings erscheint Messer nicht sinnvoll: „Im Grunde bringt dieser Ausbau nur den Pendlern etwas, die in den Münchner Osten wollen.“

Die zweite Stammstrecke ist seiner Meinung nach also die einzig richtige Variante, aus wirtschaftlicher wie verkehrsplanerischer Sicht. Und auch wenn Messer mit seiner Bachelorarbeit keine Politik machen wollte, könnte er nun doch in die politische Debatte hineingezogen werden: Seine Arbeit wurde nämlich bereits von Stadt- und Landräten angefordert. Gerade nach den Stammstrecken-Ausfällen der letzten Woche dürfte das Thema wieder ganz oben auf der politischen Agenda stehen.

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Die adhibeo-Redaktion veröffentlicht regelmäßig Artikel zu verschiedensten Themen der Angewandten Wissenschaften, die an der Hochschule Fresenius stattfinden.

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