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Serie „Junge Unternehmen“, Teil 4: „Es geht nicht darum, wer den schöneren Pool besitzt!“

von Redaktion, am 19.07.2013

Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland besuchen mehr oder weniger regelmäßig ein Fitnessstudio. Viele von ihnen sind dabei unzufrieden. Der Grund: Die Studios halten oft nicht, was sie versprechen. Im Voraus lässt sich das jedoch nicht immer feststellen. Eine Prüfinstanz, die hier für etwas mehr Orientierung sorgen könnte, gibt es nicht. Oliver Keim, Student der Health Economics an der Hochschule Fresenius München und ausgebildeter Fitnesstrainer, möchte diese Lücke schließen: Sein Unternehmen Selection Club will Fitnessstudios bewerten. Im Interview erklärt Keim das firmeneigene Zertifizierungsverfahren und erzählt, was auf dem Weg in die Selbstständigkeit wirklich von Bedeutung ist.

Wann haben Sie das letzte Mal ein Fitnessstudio besucht?

Witzig, dass Sie fragen, ich war erst gestern. Der Sommer ist ja da – und da bin ich immer besonders motiviert.

Waren Sie zufrieden mit dem, was Sie dort vorgefunden haben?

Absolut. Mir gefällt es in meinem Studio sehr gut.

Dieses Fitnessstudio – wurde es bereits von Ihnen zertifiziert?

Nein, das Studio wurde noch nicht von uns geprüft. Allerdings würden wir das gerne nachholen. Nur wann, das kann ich im Moment nicht sagen.

Nun zählen Sie sich zur Gruppe der zufriedenen Fitnessstudio-Besucher. Leider gibt es auch Kunden, die sich nicht wohl fühlen und ihre Mitgliedschaft im Nachhinein bereuen. Wird es dank Ihres Unternehmens Selection Club in Zukunft weniger unzufriedene Fitnessstudio-Kunden geben?

Ich hoffe doch. Wir wollen durch unser Sternezertifikat maximale Orientierung und Transparenz schaffen – und das auf den ersten Blick. Die Zertifizierungstafel wird außen am Eingang angebracht und gibt sofort Auskunft über das Angebot. Ein Stern bedeutet, hier findet der Kunde nur ein Basisangebot. Bei fünf Sternen handelt es sich dagegen um ein sehr anspruchsvolles und in höchstem Maße professionelles Studio.

Welche gebündelten Informationen finden sich denn hinter dem Selection Club-Qualitätssiegel?

Für uns geht es darum, dem Kunden die Information zu liefern, inwiefern er in diesem Studio seine Ziele erreichen kann. Wir messen daher im Rahmen unseres Prüfverfahrens vor allem die fachliche und methodische Kompetenz. Ein Expertenteam nimmt diese Analyse vor. Es soll hier also nicht der Frage nachgegangen werden, wer den schöneren Swimmingpool besitzt.

Das klingt alles sehr durchdacht. Aber wie wollen Sie es schaffen, dass Sie für dieses Siegel auch eine breite Akzeptanz bei der Kundschaft finden? Andere große Prüfinstitute in Deutschland haben viele Jahre gebraucht, um sich eine gute Reputation als Qualitätsinstanz aufzubauen. Diese Zeit haben Sie nicht – sonst läuft das Geschäft nicht.

Da haben Sie Recht und das ist auch wohl die größte Herausforderung. Um sich hier Glaubwürdigkeit zu erarbeiten, sind wir natürlich auf namhafte Partner angewiesen. So zeigt sich zum Beispiel der Präsident der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung sehr interessiert an unserer Idee. Zudem haben wir mit Nicole Banecki (Profifußballerin beim SC Kriens in der Schweizer Nationalliga A, Anm. d. Red.) und Uwe Veronik zwei prominente Unterstützer im Boot. Gerade Herr Veronik hat ja in München als Physiotherapeut einen sehr guten Ruf – und davon hoffen auch wir zu profitieren. Viele Menschen Vertrauen nämlich in Gesundheitsfragen stark auf ihren Physiotherapeuten. Auch auf Ärztekongressen oder Fachtagungen wollen wir Präsenz zeigen. Am Anfang läuft eben viel über Kontakte zu Experten – und dann hoffen wir auf einen Schneeballeffekt.

Der rege Austausch mit Experten scheint sich schon auszuzahlen: Über Kontakte sind Sie auf die Hotel- und Tourismusbranche aufmerksam geworden. Was können Sie Hotels bieten?

Es geht hier um die Zertifizierung des Sport- und Fitnessangebots von Luxus Sport Resorts. Wir wurden des Öfteren darauf angesprochen, ob wir nicht auch in diesem Markt zertifizieren wollen. Es kommt ja leider durchaus vor, dass Sport- und Wellnessurlauber mit dem Fitnessangebot in ihrem Hotel unzufrieden sind. Deshalb wollen wir auch hier Transparenz schaffen. Einen ersten Auftrag von einem 5-Sterne Luxus Resort in Österreich haben wir schon an Land gezogen.

Die Hotels müssen sich dann – genauso wie die gewöhnlichen Fitnessstudios – auf sogenannte Mystery Checks gefasst machen. Ein interessanter Begriff. Können Sie ihn näher erklären?

Möchte sich ein Fitnessstudio von uns prüfen lassen, steht dieser Mystery Check ganz am Anfang des Verfahrens. Das Prinzip dahinter ist ziemlich einfach: In einem angegebenen Zeitraum besucht ein Tester das Fitnessstudio unangekündigt und erhält auf diese Weise eine unverfälschte Momentaufnahme des Angebots. Diese Momentaufnahme bildet den Kern unserer Bewertung.

Es handelt sich also um eine Momentaufnahme. Nehmen wir an, Sie führen diesen Check zufällig an einem Tag durch, an dem in dem geprüften Fitnessstudio einfach alles schief läuft – haben die Betreiber irgendwann die Chance, sich zu rehabilitieren?

Wenn an genau diesem Tag alles schief läuft, wird das zunächst auch so in der Bewertung festgehalten. Aber es geht uns ja nicht darum, hier ein Studio zu ruinieren. Im Gegenteil: Wir wollen etwas verändern, etwas verbessern. Das heißt, wir bieten dem Studio auf Grundlage der Testergebnisse eine Beratung an. In einem Gespräch teilen wir den Betreibern mit, auf welche Sternekategorie die aktuelle Bewertung hinauslaufen würde. Dann geben wir den Verantwortlichen ausreichend Zeit, genau diese Mängel zu beheben – und zwar nachhaltig! Das bedeutet, einmal Durchwischen reicht hier natürlich nicht aus.

Mit ihrem Unternehmen schlagen Sie in eine historische Kerbe der HS Fresenius: Auch das wirtschaftlich mit der Hochschule verbundene Institut Fresenius verleiht ja seit 1973 ein anerkanntes Qualitätssiegel. Hat Sie am Ende gar das Institut Fresenius auf die Geschäftsidee gebracht?

Hauptsächlich haben meine persönlichen Erfahrungen im Fitnessbereich – ich bin ja als Trainer schon ein bisschen rumgekommen – mich hier beeinflusst. Auf die Idee mit der Zertifizierung bin ich aber tatsächlich auch durch das Institut Fresenius gekommen: Ich habe einfach gemerkt, wie stark dieses Fresenius-Qualitätssiegel auf die Menschen wirkt. Bei Produkten, die über ein Zertifikat verfügen, ist sofort ein ganz anderes Grundvertrauen da.

Nun muss man auf dem Weg in die Selbstständigkeit – gerade, wenn man noch mitten im Studium steckt – ja durchaus einige Hürden nehmen. Hat Sie die HS Fresenius ausreichend für diesen Hürdenlauf fit gemacht?

Ja, auf jeden Fall. Im Studiengang Health Economics hat man ja relativ viel BWL. Vor allem das, was ich in den Bereichen Rechnungswesen, Recht oder Marketing gelernt habe, konnte ich in der Phase der Existenzgründung anwenden. Noch wichtiger aber war der persönliche Kontakt zu den Dozenten. Diese Leute haben mich wirklich tatkräftig unterstützt. So hat mir zum Beispiel ein Rechtsdozent kostenlos dabei geholfen, die Verträge mit meinen Partnern aufzusetzen. Nun bin ich ja schon im 6. Semester und nicht mehr lange an der Hochschule – beim nächsten Mal kann ich mir dann hoffentlich einen Anwalt leisten.

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Die adhibeo-Redaktion veröffentlicht regelmäßig Artikel zu verschiedensten Themen der Angewandten Wissenschaften, die an der Hochschule Fresenius stattfinden.

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