Psychologie und Wirtschaftspsychologie

Treppenaufstieg ins Glück

von Redaktion, am 05.08.2015

Die Aufwärtsbewegung unseres Körpers wirkt sich positiv auf unser Gemüt und damit auf unsere Hilfsbereitschaft aus, behauptete der US-amerikanische Psychologe Lawrence Sanna vor einigen Jahren. Er stützte sich dabei auf die Ergebnisse einer eigenen Studie – Ergebnisse, die er nachweislich manipuliert hatte. Trotzdem haben Studierende der Hochschule Fresenius Köln die Untersuchung erneut durchgeführt – und ein gesellschaftlich beachtenswertes Resultat erzielt.

Im Jahr 2011 sorgte der Psychologe Lawrence Sanna von der University of North Carolina mit einer Studie für weltweites Aufsehen. Für die Untersuchung hatte er drei seiner wissenschaftlichen Hilfskräfte an zwei Samstagen in ein Einkaufszentrum geschickt. Dort sollten sie verkleidet als Vertreter der Heilsarmee auf Spendenfang gehen. Sannas Anweisungen gemäß postierten sich die Helfer an verschiedenen Orten der Shopping Mall: Einer wartete am Ende einer Rolltreppe, die die Besucher eine Etage höher beförderte; ein anderer platzierte sich am Fuße einer Rolltreppe, die nach unten fuhr; ein dritter wiederum sprach Passanten im Flur des Erdgeschosses an.

Sollte der Standort der Spendensammler nun tatsächlich Einfluss auf die Spendierfreudigkeit der Passanten haben, so wie Sanna es annahm? Zunächst stützten die Befunde seine These: Besucher, die auf der Rolltreppe nach oben gefahren waren, waren im Vergleich signifikant häufiger zu einer Spende bereit. Ein spektakuläres Ergebnis, nicht nur für Hilfsorganisationen. Es war allerdings nicht auf natürlichem Wege zustande gekommen, wie sich später herausstellte – Sanna hatte die Daten gefälscht.

Hinter dem verfälschten Ergebnis steckt eine tolle Idee

„Es ist eine Plage, dass man in der psychologischen Forschung immer wieder zu derartigen Mitteln greift und so die Öffentlichkeit und die Scientific Community in die Irre führt“, findet Prof. Dr. Peter Bak, Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Fresenius Köln. Dabei stecke hinter Sannas Untersuchung ja eigentlich eine tolle Idee: „Sanna hat sich bei der theoretischen Herleitung der Studie auf die Erkenntnisse der Embodiment-Forschung gestützt. Unter diesem Forschungsdach hat man in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Belege dafür gefunden, dass körperliche Aktivitäten eng mit geistigen Prozessen verknüpft sind“, erklärt Bak.

So ist inzwischen bekannt, dass Lachen – selbst wenn man es nur künstlich aufsetzt – Menschen glücklicher macht; die Lachyoga-Bewegung macht sich dieses Prinzip derzeit sehr erfolgreich zu Eigen. Auch eine erhöhte Körperspannung wirkt sich aus: Studien zufolge empfinden Personen, die mit aufrechtem Gang und breiter Brust durch die Welt gehen, mehr Selbstsicherheit.

Sanna sei nun noch einen Schritt weitergegangen, weiß Prof. Bak: „Er nahm an, dass uns ein körperlicher Transport nach oben wohlgesonnen stimmt. Schließlich ist ‚oben‘ ja gesellschaftlich positiv belegt: Der Himmel und das Paradies sind dort zu finden, die Karriereleiter führt ebenfalls nach oben. Unten dagegen warten nur der Teufel und sein Hoheitsgebiet“, erläutert der Wirtschaftspsychologe. Daher sei es aus Sicht der Embodiment-Forschung eine schlüssige Annahme, dass eine Aufwärtsbewegung des Körpers Menschen in eine positive Stimmung versetze und ihre Bereitschaft, Gutes zu tun, erhöhe.

Eine Projektgruppe der Hochschule Fresenius wiederholt die Feldstudie auf deutschem Boden

Und weil ihn diese Annahme so begeisterte, beschloss Bak, Sannas Studie in einem deutschen Einkaufszentrum zu replizieren – trotz geringer Erfolgsaussichten. Aber selbst wenn das unverfälschte und damit unspektakuläre Ergebnis aus der Originalstudie wieder zustande käme, hätte man ja zumindest Spendengelder eingesammelt.

Und so war es dann auch: Bak und seine Projektgruppe, bestehend aus sechs Studierenden der Wirtschaftspsychologie, konnten in Sachen Spendenbereitschaft keine Unterschiede feststellen, die sich auf den Standort des Sammlers zurückzuführen ließen.

Die Studentin Melanie Busch, Sprecherin der Gruppe, zieht trotzdem ein positives Fazit: „Am Ende war es für uns wirklich ein tolles Projekt. Zum einen durften wir Feldforschung betreiben, zum anderen haben wir fast 900 Euro Spendengelder gesammelt.“ Der Betrag geht nun an den Förderverein für krebskranke Kinder e.V. in Köln – Wissenschaft kann also auch ohne bahnbrechendes Ergebnis einen gesellschaftlichen Beitrag leisten.

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Die adhibeo-Redaktion veröffentlicht regelmäßig Artikel zu verschiedensten Themen der Angewandten Wissenschaften, die an der Hochschule Fresenius stattfinden.

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