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„Die FIFA muss sich abgrenzen“

von Redaktion, am 24.06.2014

Am Thema Ethik kommt heute kein Unternehmen mehr vorbei. Vor allem große und einflussreiche Organisationen geraten zunehmend unter Druck, wie aktuell am Beispiel der FIFA zu beobachten ist. Die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien hat die Aufmerksamkeit auf die moralischen Verfehlungen der mächtigen Sportorganisation gelenkt. Wie sollte man nun am besten reagieren? Jedenfalls nicht nur mit kosmetische Veränderungen, warnt Prof. Dr. Peter Bak, Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Fresenius Köln und Autor des Lehrbuchs „Wirtschafts- und Unternehmensethik“, im Interview.

So groß die Freude über die Fußball-WM dieser Tage ist, so groß ist auch die Verärgerung über die Organisation dahinter: die FIFA gilt vielen als unethisches und korruptes Konstrukt. Sie sind Experte für Unternehmensethik und haben gerade ein Buch zum Thema veröffentlicht. Was macht die FIFA aus Sicht des Unternehmensethikers falsch?

Naja, das Prozedere der FIFA, und das ist ja nicht neu, ist eben nicht transparent. Es fehlt damit auch an Legitimation. Mittlerweile ist so ein Event wie die Fußballweltmeisterschaft ja eher ein Geschäft denn ein sportliches Kräftemessen, es geht also um Geld, um viel Geld. Und spätestens da wird klar, dass es auch zahlreiche Interessen neben den rein sportlichen gibt, die so ein Event an sich ziehen wollen. Die FIFA muss sich dagegen abgrenzen.

Organisationen, die sich derartigen Anschuldigungen ausgesetzt sehen, reagieren darauf häufig, indem sie Gremien, Arbeitsgruppen oder gar ganze Abteilungen schaffen. Diese sollen sich dann mit den genannten Vorwürfen auseinandersetzen. Ähnlich hat es auch die FIFA mit der Gründung der Ethikkommission getan. Sind solche Reaktionen kosmetische Verbesserungen an der Organisationsfassade oder wird dadurch tatsächlich etwas verändert?

Faktisch sind sie oft nur kosmetische Reaktionen. Mit einer Ethikkommission allein ist gutes Handeln noch kein Automatismus. Kommissionen dienen häufig dazu, ein Problem zu verschleppen, bis dann eben andere Themen im Interesse der Öffentlichkeit stehen. Es kommt vielmehr auf die Unternehmenskultur und die Haltung der handelnden Personen an. Greenpeace etwa reagiert aus meiner Sicht angesichts des Finanzskandals gerade vorbildlich. Da wird nicht drumherum geredet, Greenpeace hat sich sofort entschuldigt und versucht, den Sachverhalt zu erläutern.

Mit dem Thema Ethik muss sich zukünftig jedes Unternehmen auseinandersetzen. Darauf muss auch die kommende Arbeitnehmergeneration gefasst sein. Wie bereiten Sie Ihre Studierenden auf diese berufliche Zukunft vor?

Wir alle haben es mittlerweile verstanden, dass ein gutes Leben mehr bedeutet, als ökonomischer Wohlstand. Wir haben eingesehen, dass wir unsere Umwelt schützen müssen und dass wir Verantwortung für die Lebensumwelt der nachkommenden Generationen haben. In Zentraleuropa leben wir seit 69 Jahren friedlich zusammen. Heute ist klar, dass jeder ein Stück weit selbst Verantwortung für das gelingende Gemeinwohl trägt. Und genau darauf kommt es an, Verantwortung nicht nur beim anderen zu suchen, sondern eine Haltung zu entwickeln, die die eigentlich wichtigen Werte in den Fokus rückt und danach strebt, seinen Anteil zur Verwirklichung beizutragen. Darüber zu diskutieren und dafür zu sensibilisieren ist die beste Vorbereitung für die nachkommende Arbeitnehmergeneration.

Viele Bücher zum Thema Unternehmensethik nähern sich ihm auf die philosophische Art. Wie sind Sie beim Schreiben Ihres Buches vorgegangen?

Das Buch habe ich geschrieben, weil mit das Thema so wichtig ist und ich feststellen musste, dass viele Menschen, auch Studierende, davon abgeschreckt werden. Das ist alles zu theoretisch, zu philosophisch und hat wenig mit dem Alltag zu tun, so die meisten Urteile.

Ich wollte ein Buch schreiben, dass jeder lesen und verstehen kann, auch ohne Philosophiestudium. Denn je eher Studierende sich für das Thema begeistern lassen, desto größer ist die Chance, dass sie sich bei ihren Entscheidungen an ethischen Maßstäben orientieren.

Über den Autor

Redaktion
Die adhibeo-Redaktion veröffentlicht regelmäßig Artikel zu verschiedensten Themen der Angewandten Wissenschaften, die an der Hochschule Fresenius stattfinden.

1 Antwort
  1. Tamara sagte:

    Das sind wirklich interessante Ansichten, ein informatives, gut gebündeltes Interview. Aber was die FIFA abzieht, ist wirklich unglaublich, und so schön der Fußball auch ist, genauso schlimm ist es, wie die Missstände in Brasilien verschleiert werden. Und dann die geplante WM in Katar! Da geht es doch wirklich um nichts anderes, als um finanzielle Interessen…

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