Sport und Tourismus

Fit und gesund an Bord: Maritime Medizin unter der Lupe

von Juliane Mischer, am 12.06.2019

Neun Tage durch Nordeuropa, das Mittelmeer oder die Karibik für 1.761 Euro pro Person – so sieht die durchschnittliche Hochseekreuzfahrt aus. Kreuzfahrten sind vor allem bei älteren Touristen beliebt: Etwa 58 Prozent der Passagiere von Hochseekreuzfahrten im vergangen Jahr waren 50 Jahre oder älter. Darauf muss sich die medizinische Versorgung an Bord einstellen. Gleichzeitig haben auch jüngere Passagiere Interesse an medizinischen Zusatzangeboten. Das zeigt eine aktuelle Studie der Hochschule Fresenius.

Prof. Dr. Philipp Walther und Prof. Dr. Alexander Hermenau von der Hochschule Fresenius Hamburg haben gemeinsam mit Dr. med. Jens Tülsner der Unternehmensberatung Marine Medical Solutions sowie Sophia Zander von der Universität Bayreuth untersucht, welche Trends aufgegriffen werden können, um die maritime Medizin auf Kreuzfahrtschiffen bedarfsgerechter zu gestalten. Außerdem zeigen sie, welche Entwicklungsperspektiven sich kurz- und mittelfristig ergeben. Dafür hat das Forscherteam unter anderem 1.000 Personen befragt. Die Online-Umfrage richtete sich an alle, die schon einmal eine Kreuzfahrt gemacht haben. Weiterhin wurden Quoten für das Alter, Geschlecht und Bundesland der Teilnehmer eingerichtet, um die Nachfragestruktur des deutschen Kreuzfahrtmarktes bestmöglich zu repräsentieren.

Versorgungsbedarf bei chronisch Kranken und Allergikern

Die Studie bestätigt, dass viele Passagiere im hohen Alter, die an mehreren Krankheiten leiden, auf Kreuzfahrtreisen sind. Mehr als jeder zweite Befragte, der eine chronischen Krankheit, Allergie oder Intoleranz hat, ist deswegen auf eine regelmäßige medizinische Versorgung angewiesen. Aus dem demografischen Wandel, dem Wohlstand und der Reisebereitschaft der Menschen im mittleren und hohen Alter werde sich zukünftig ein noch höherer medizinischer Versorgungsbedarf in dieser Altersgruppe entwickeln, so die Studienautoren.

Jüngere sind eher bereit, Zusatzangebote privat zu bezahlen

Neben dem klassischen Medizintourismus beleuchtet die Studie auch gesundheitsorientierte Urlaube, Medical-Wellness-Reisen sowie Kur- und Rehabilitationstourismus. Hierbei geht es um Zusatzangebote, die über die grundlegende medizinische Versorgung hinausgehen, beispielsweise Entgiftungskuren, Vorsorgeuntersuchungen, Akupunktur oder Physiotherapie.

„Solche zusätzlichen medizinischen Leistungen sind auch für jüngere, vor allem aber für Kreuzfahrer mittleren Alters interessant, wie unsere Befragung zeigt. Verschiedene soziodemografische Merkmale beeinflussen jedoch die Einstellung gegenüber einzelnen Leistungen, sodass für die Zielgruppen unterschiedliche Angebote formuliert werden sollten“, rät Prof. Dr. Alexander Hermenau.

Auch hinsichtlich der Zahlungsbereitschaft zeigen sich Unterschiede zwischen den Umfrageteilnehmern: So würde etwa jeder Dritte im Alter von mindestens 70 Jahren die Zusatzleistungen privat finanzieren, bei den 30-39-Jährigen wären 60 Prozent der Befragten dazu bereit.

Mehr Informationen gewünscht

„An Land entwickelte sich der Gesundheits- und Medizintourismus in den letzten Jahren zu einem Megatrend. Dass sich auch Kreuzfahrtanbieter diese Entwicklung zunutze machen können, hat die vorliegende empirische Studie ergeben“, fasst Prof. Dr. Philipp Walther zusammen. Wichtig dabei sei auch die zielgruppengerechte Kommunikation: Denn fast zwei Drittel der Befragten wünschen sich mehr Informationen über das maritim-medizinische Angebot auf Kreuzfahrtreisen.

ÜBER DEN AUTOR

Juliane Mischer
Juliane Mischer ist Teil der adhibeo-Redaktion und arbeitet im Bereich Marketing und Kommunikation der Hochschule Fresenius.

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