Psychologie und Wirtschaftspsychologie

Wirtschaft und Management

Was Diversity bewirken kann

von Redaktion, am 18.05.2016

Mehr und mehr Firmen verankern Diversity-Prinzipien in ihrer Unternehmenskultur: Sie setzen auf heterogene Belegschaften und geben sich beim Recruiting offen und tolerant gegenüber verschiedensten sozialen und kulturellen Gruppen. Marcia Steinhäuser, Absolventin des Studiengangs Wirtschaftspsychologie der Hochschule Fresenius Köln, hat das Diversity-Konzept ins Zentrum ihrer Bachelorarbeit gestellt. Für ihre Thesis wurde sie Anfang des Jahres mit dem Bachelor-Award der Gesellschaft für Wirtschaftspsychologie e.V. ausgezeichnet. Im Interview spricht sie zusammen mit ihrer Betreuerin Prof. Dr. Katja Mierke, Wirtschaftspsychologin an der Hochschule Fresenius Köln, über die Ergebnisse ihrer Arbeit.

Frau Steinhäuser, wie kamen Sie auf die Idee, sich in Ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema Diversity auseinanderzusetzen?

Marcia Steinhäuser: Mir war schon früh während des Studiums klar, dass ich mich in meiner Bachelorarbeit mit einer Fragestellung aus dem Themenbereich Recruiting befassen möchte. Das Diversity-Konzept ist mir während des Studiums immer wieder im Unterricht begegnet und hat mich jedes Mal von neuem begeistert. Daraus entstand schließlich die Idee, beide Themen miteinander zu kombinieren. Ich habe diese Idee dann Frau Prof. Mierke vorgestellt, sie hat sie weiterentwickelt und am Ende hatten wir einen konkreten Titel für die Arbeit.

… und zwar, wie bei Bachelorarbeiten nicht unüblich, einen ziemlich langen: „Diversity im Recruiting: Aktivierung der Kreativität von Bewerbern und Einfluss auf das Arbeitgeberimage“. Was waren die zentralen Fragestellungen der Arbeit?

Marcia Steinhäuser: Es ging primär darum herauszufinden, ob eine fiktive Stellenanzeige, in der sich ein Unternehmen als diversityfreundlich darstellt, bei potentiellen Bewerbern ein positiveres Arbeitgeberimage erzeugt bzw. kreative Denkprozesse anstößt. Letzteres war vor allem für Frau Prof. Mierke wichtig, sie hat sich ja bereits in mehreren Studien mit dem Thema Kreativität auseinandergesetzt.

Katja Mierke: Um den Hintergrund noch etwas genauer zu erläutern: Frau Steinhäusers Arbeit baut auf einer anderen Bachelorarbeit auf. Die Autorin dieser Arbeit hat damals ihre Probanden ebenfalls mit einer fiktiven Stellenanzeige konfrontiert und untersucht, ob durch bestimmte Formulierungen und Hinweise in der Anzeige bei bestimmten Bewerbern ein höheres Maß an Gewissenhaftigkeit aktiviert wird. Dieser Logik ist auch Frau Steinhäuser gefolgt, nur dass hier eben Kreativität aktiviert werden sollte.

Das klingt komplex. Wie war das dazugehörige Experiment aufgebaut?

Marcia Steinhäuser: Die Rahmengeschichte, mit der wir die Probanden in das Experiment eingeführt haben, lautete, dass ein fiktives Unternehmen eine Stellenanzeige geschaltet hat, um sich auf die Suche nach einem Werkstudenten zu machen. Die Teilnehmer sollten die Stellenanzeige lesen, sich in die Situation eines Stelleninteressierten versetzen und sich dann auf den Job bewerben.

Die Stellenanzeigen waren dabei allerdings nicht für jeden der 81 Probanden gleich: Einem Teil wurde eine Stellenanzeige vorgelegt, in der sich das fiktive Unternehmen als leistungsorientiert darstellt, dem anderen Teil präsentierte sich das Unternehmen in der Anzeige als diversityfreundlich.

Anschließend haben wir die Probanden einen Kreativitätstest machen lassen und sie außerdem nach dem Image des in der Stellenanzeige dargestellten Arbeitgebers gefragt.

Ließen sich zwischen den Gruppen Unterschiede feststellen?

Marcia Steinhäuser: Ja, tatsächlich hat die diversityfreundliche Stellenanzeige kreatives Denken aktiviert, die Probanden schnitten im Kreativitätstest entsprechend besser ab als die Vergleichsgruppe.

Katja Mierke: Man spricht in diesem Zusammenhang von einem „Priming“ kreativen Denkens: Bestimmte Reize, in unserem Fall Wörter und Formulierungen, die auf Diversityorientierung hinweisen, wie zum Beispiel offen, weit, bunt oder vielfältig, aktivieren sogenannte divergente Denkprozesse. Die Aufgaben im Kreativitätstest erfordern genau dieses offenere, vielseitigere, frei-assoziative Denken.

Wirkt sich die diversityfreundliche Stellenanzeige auch positiv auf das Arbeitgeberimage aus?

Marcia Steinhäuser: Ja, auch hier gibt es einen positiven Zusammenhang.

Frau Prof. Mierke, für welche Anwendungsbereiche lassen sich diese Erkenntnisse nutzen?

Katja Mierke: Zum einen natürlich für die Bereiche Employer Branding und Recruiting: Die Kommunikation von Diversityfreundlichkeit sorgt allem Anschein nach für eine bessere Reputation. Zum anderen ist die Untersuchung ein weiterer Beleg dafür, dass mit Hilfe bestimmter Reize Kreativität aktiviert werden kann. Auch wenn die Effekte vermutlich eher kurzfristig sind, bietet sich eine Anwendung auch in anderen Bereichen an, nicht nur in Bewerbungssituationen.

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Die adhibeo-Redaktion veröffentlicht regelmäßig Artikel zu verschiedensten Themen der Angewandten Wissenschaften, die an der Hochschule Fresenius stattfinden.

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