Psychologie und Wirtschaftspsychologie

Dating-Frust und unterschiedliche Persönlichkeiten

von Redaktion, am 14.07.2020

Apps und Matching Tools wie Tinder, Parship und Co. haben die Partnersuche revolutioniert und machen es Singles vermeintlich so einfach wie nie, einen passenden Lebenspartner zu finden. Trotzdem bleibt bei jeder Partnersuche auch Dating-Frust nicht aus, wenn die Harmonie nicht stimmt. Dass diese stimmt, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab – auch von den Persönlichkeitseigenschaften der (potenziellen) Partner, wie uns Leandra Stöhr verrät. Im Zuge ihrer Abschlussarbeit im Studiengang der Angewandten Psychologie (B.Sc.) an der Hochschule Fresenius in Düsseldorf hat sie verschiedene Verhaltensweisen in Partnerschaften in den Blick genommen.

Warum haben Sie dazu entschieden, sich in Ihrer Abschlussarbeit mit diesem Thema zu befassen?

Viele Menschen erleben es als schwierig, einen Partner zu finden, der ihren Vorstellungen und Wünschen entspricht. Mich interessierte, ob es an unserer häufig als schnelllebig und oberflächlich wahrgenommenen Gesellschaft oder doch an der Person liegt. Denn bisherige Studien weisen darauf hin, dass viele verschiedene Verhaltensarten in der Liebe bestehen, ein sogenannter Liebesstil, dessen Präferenz sich im Laufe des Lebens verändern kann. Durch die Aufklärung über verschiedene Liebesstile und die damit verbundenen Persönlichkeitseigenschaften könnte mehr Verständnis in Beziehungen geschaffen werden, so meine Vermutung.

Um welche Persönlichkeitseigenschaften handelte es sich hierbei im Speziellen?

Für meine Untersuchung habe ich die Persönlichkeitseigenschaften der sogenannten Dunklen Triade in den Blick genommen – Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Es handelt sich dabei um offensive, aber nicht pathologische Eigenschaften, die einige Überschneidungen aufweisen: In unterschiedlichem Maße beinhalten alle drei einen sozial böswilligen Charakter mit Verhaltenstendenzen zur Selbstdarstellung, emotionaler Kälte, Duplizität und Aggressivität. Sie gehen zudem mit einer schlechten Beziehungsqualität und der Wahrscheinlichkeit der Untreue einher.

Was heißt das genau?

Narzissmus wird als das allgegenwärtige Muster von Größenwahn, dem Bedürfnis nach Bewunderung und fehlendem Einfühlvermögen beschrieben. Zudem besteht ein Zusammenhang zu einer geringen Verbindlichkeit, wodurch Narzissten in Beziehungen weniger verpflichtet sind, da sie tendenziell davon ausgehen, eine noch bessere Beziehung finden zu können.

Dagegen ist Machiavellismus ein häufiger Grund für die Unzufriedenheit in einer Beziehung. Menschen mit dieser Persönlichkeitseigenschaft verhalten sich eher manipulativ, ausbeuterisch oder aggressiv. Machiavellisten benutzen bestimmte Einflussstrategien in ihren Beziehungen und die Gefühle des anderen sind dabei eher zweitrangig.

Ohne auf die Gefühle des Gegenübers zu achten, setzen Psychopathen ihren Willen durch und empfinden keine Reue oder Schuldgefühle. Diese Persönlichkeitseigenschaft geht mit Egozentrik, Impulsivität, Verantwortungslosigkeit und pathologischem Lügen einher. In zwischenmenschliche Beziehungen können Psychopathen daher oft keine tiefen Gefühle zulassen und wenden häufig Manipulationstechniken an.

Liebesstile nach John Alan Lee

Eros, die erotische Liebe, charakterisiert sich durch den Glauben an die Liebe auf den ersten Blick und an die rasche Entwicklung einer Beziehung. Des Weiteren kommt der körperlichen Anziehung eine hohe Bedeutung zu.

Ludus, die spielerische Liebe, beinhaltet eine distanzierte und unverbindliche Haltung gegenüber Romantik und Beziehungen sowie den Glauben an mehrere, nicht monogame Beziehungen.

Storge, die freundschaftliche Liebe, beinhaltet den Glauben an eine sich langsam und schrittweise entwickelnde Liebe gegründet auf einer festen und gut etablierten Freundschaft. Gemeinsame Aktivitäten und Interessen mit dem Partner sind besonders wichtig.

Und wie wirken sich diese Persönlichkeitseigenschaften auf das Verhalten in Partnerschaften aus?

Für die Beantwortung der Frage nach möglichen Zusammenhängen zu Persönlichkeitseigenschaften erstellte ich gemeinsam mit meiner Dozentin Prof. Dr. Kathrin Schütz einen Onlinefragebogen, mit Hilfe dessen die Ausprägung der Eigenschaften der Dunklen Triade sowie verschiedene Liebesstile erhoben wurden. An der Umfrage nahmen über 350 Personen im Alter von 17 bis 72 Jahren teil.

Bei den Liebesstilen erwies sich Eros als der im Schnitt am höchsten ausgeprägte Liebesstil. Ludus hingegen war der Stil mit der geringsten Ausprägung und Pragma, Storge, Mania und Agape wiesen ähnliche Mittelwerte auf. In Bezug auf die Persönlichkeitseigenschaften zeigten die Ergebnisse, dass eine höhere Ausprägung der Dunklen Triade mit einer höheren Ausprägung der Liebesstile Ludus und Mania einhergeht, aber mit einer geringen des Liebesstils Eros. Darüber hinaus konnte die Hypothese, die besagt, dass zwischen Ludus und Psychopathie ein Zusammenhang besteht, angenommen werden.

Pragma, die pragmatische Liebe, ist ein Liebesstil, bei dem die Eignung des Partners für die Beziehung und sein Platz in der Gemeinschaft von zentraler Bedeutung sind. Bei der Partnersuche sind Fähigkeiten, die den anderen zu einem guten Lebenspartner machen, im Fokus.

Mania, die manische Liebe, ist ein obsessiver, eifersüchtiger und emotional intensiver Liebesstil, der sich durch die Hauptbeschäftigung mit dem Geliebten und dem Bedürfnis nach wiederholter Bestätigung charakterisiert.

Agape, die altruistische Liebe, existiert eher als ein Ideal anstatt als Ziel einer Beziehung. Der agapische, fürsorgliche Liebhaber sieht es als seine Pflicht zu lieben, ohne eine Gegenseitigkeit zu erwarten.

Auf welchen praktischen Bezug lassen sich diese Erkenntnisse nun anwenden?

Für das Matching-Verfahren bei Dating-Apps könnten die Forschungsergebnisse als Grundlage für Verbesserungen angesehen werden. So könnten zusätzlich Persönlichkeitseigenschaften berücksichtigt und mit den passenden Liebesstilen abgeglichen werden.

Aber auch für Paartherapeuten könnte die Umfrage interessant sein, da unterschiedliche Liebesstile mit unterschiedlichen Vorstellungen einhergehen und Konflikte provozieren können. Die Thematik der Liebesstile ist dennoch nicht ausreichend erforscht. So könnten nächste Arbeiten den sozialen Status oder die sexuelle Orientierung der Teilnehmer miteinbeziehen und in Bezug zu den Liebesstilen setzen.

Leandra Stöhr (B.Sc.)

Über den Autor

Redaktion
Die adhibeo-Redaktion veröffentlicht regelmäßig Artikel zu verschiedensten Themen der Angewandten Wissenschaften, die an der Hochschule Fresenius stattfinden.

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