Mode und Design

Wirtschaft und Management

„Wir geben der Modeindustrie die finanziellen Mittel, so weiterzumachen wie bisher“

von Redaktion, am 06.11.2015

McDonalds hat es berücksichtigt. Auch bei Energie- und Technologiekonzernen steht das Prinzip Nachhaltigkeit bereits ganz oben auf der Agenda. In der Modeindustrie dagegen scheint es noch nicht Fuß gefasst zu haben, wie wiederkehrende Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen oder Fabrikeinstürze in den Produktionsländern deutlich machen. Welche Einstellungen Kunden zum Thema Nachhaltigkeit in der Modeindustrie haben, hat jetzt Annika Hammann, Absolventin der Hochschule Fresenius Hamburg, im Rahmen ihrer Bachelorarbeit untersucht.

In Ihrer wirtschaftspsychologischen Bachelorarbeit beschäftigen Sie sich mit ethischem Konsum in der Modeindustrie. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Ich interessiere mich schon länger privat für dieses Thema. Ich habe online oft Diskussionen junger Menschen verfolgt, die annehmen, günstige Mode sei automatisch von schlechterer Qualität und weniger nachhaltig. Dementsprechend werden teurere Marken als besser eingestuft, obwohl der Preis in Bezug auf Qualität und Nachhaltigkeit wenig aussagekräftig ist. Außerdem habe ich mich gefragt, ob den Konsumenten nachhaltige Mode überhaupt wichtig ist.

Wie sind Sie vorgegangen, um das herauszufinden?

­­Ich habe mir im Rahmen der Untersuchung die drei Marken Primark, Zara und Lacoste genauer angesehen. Sie repräsentieren jeweils Produkte unterschiedlicher Preisklassen, die gleichermaßen bei jungen Menschen beliebt sind. Wenn man die drei Marken bezüglich ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen vergleicht, schneiden sie laut Rankingwebsites ähnlich schlecht ab.

Von diesen Informationen ausgehend habe ich einen Fragebogen erstellt und in sozialen Netzwerken und Modeforen verbreitet. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass das Bedürfnis der Kunden nach ethischem Konsum zwar vorhanden ist, sich aber die wenigsten darüber informieren, wie sie es auch umsetzen können. 20 Prozent gaben hier sogar an, sich überhaupt nicht darüber informieren zu wollen, ob ihre Kleidung auf nachhaltige Art und Weise produziert wurde. Bei den anderen Probanden ist nicht klar, ob sie sich nur für das Thema Nachhaltigkeit interessieren oder ob sie tatsächlich auch dementsprechend konsumieren.

Auch interessant ist, wie die Probanden die Warenqualität der drei Marken beurteilen. Signifikant besser bewertet wird hier Lacoste, die teuerste der drei Marken. Bei der Frage, welcher der Hersteller am nachhaltigsten produziere, wurde der günstigste Hersteller Primark signifikant schlechter eingeschätzt. Die Annahme liegt nahe, dass die wichtigsten Entscheidungskriterien hier der Preis und das Image der Marke bleiben.

Wie können Sie sich den Fehlschluss erklären, dass teurere Kleidung automatisch als nachhaltiger und qualitativ hochwertiger eingeschätzt wird?

Das Problem hier ist, dass die meisten Kunden nicht wissen, welche Kleidung nachhaltig produziert wird und wie sie diese Kleidung erkennen können. Der Preis stellt hier ein vereinfachtes Kriterium dar, um die Mode zu bewerten.

Was würden Sie einem Kunden raten, der in Zukunft mehr nachhaltig produzierte Kleidung kaufen möchte?

Für Kunden, die weniger auf den Preis achten müssen, empfiehlt es sich, sich eingehend zu informieren. Diese Möglichkeiten bieten beispielsweise Bewertungsplattformen oder aber auch die Internetpräsenzen der Unternehmen. Letztere sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da sich natürlich kein Unternehmen auf seiner Website in ein schlechtes Licht rücken möchte.

Ich finde es sehr wichtig zu wissen, dass man selbst Einfluss nehmen kann. Schließlich geben wir als Kunden den Unternehmen die finanziellen Mittel, so weiterzumachen wie bisher. Das ist eine Tatsache, die den Kunden noch nicht ausreichend klar ist.

Sehen Sie Ihre berufliche Zukunft ebenfalls im Bereich der Nachhaltigkeit?

Ja, ich interessiere mich, wie schon gesagt, auch privat sehr für dieses Thema. Tatsächlich beginne ich demnächst bei Greenpeace Energy zu arbeiten. Es ist mir wichtig, in einem Unternehmen beschäftigt zu sein, das Produkte vertreibt, die ich für sinnvoll halte, und das ist hier definitiv der Fall. Hier möchte ich gerne einen Teil beitragen.

ÜBER DEN AUTOR

Redaktion
Die adhibeo-Redaktion veröffentlicht regelmäßig Artikel zu verschiedensten Themen der Angewandten Wissenschaften, die an der Hochschule Fresenius stattfinden.

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