Gesundheit, Therapie und Soziales

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10 Jahre iPad – Nutzen in der Logopädie

iStock/patat

von Barbara Debold, am 27.01.2020

Vor 10 Jahren präsentierte Steve Jobs das erste iPad in San Francisco. Heute steht das iPad weltweit auf fast allen Top 10-Listen für die besten technischen Erfindungen des letzten Jahrzehnts. Und tatsächlich sind Tablets inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebensalltags geworden. Doch sind sie nur „Spielzeug“ und Kommunikationsmittel oder können wir sie auch in der Therapie einsetzen? Dieser Frage ging unsere Bachelorabsolventin des Studiengangs Angewandte Gesundheits- und  Therapiewissenschaften (B.Sc.), Anika Thurmann, nach.

 

„iPad ist unsere fortschrittlichste Technologie in einem zauberhaften und revolutionären Gerät zu einem unglaublichen Preis,“ sagte Steve Jobs, damals CEO von Apple, anlässlich der Präsentation des ersten iPads am 27. Januar 2010 in San Francisco vor Journalisten. „iPad schafft und definiert eine völlig neue Gerätekategorie, welche die Nutzer mit den Anwendungen und Inhalten auf eine viel intimere, intuitivere und spaßigere Art und Weise miteinander in Verbindung treten lässt als jemals zuvor.“

Andere sahen in der Einführung des iPads nicht nur eine neue Technologie, sondern eher eine Verwaltungsreform der digitalen Welt mit erheblichen Konsequenzen.[1]

Mobile Endgeräte, Gesundheits-Apps und Einsatz in der Therapie

Digitale Technologien, smarte, mobile Geräte haben seit dieser Zeit unseren Alltag grundlegend verändert. Neue Formen der Interaktion und Kommunikation von Menschen entwickeln sich rasant. Mobile Kommunikationsgeräte wie Smartphone und Tablets erleichtern unseren Lebensalltag. Doch können sie auch in der Logopädie zielführend eingesetzt werden?

Tablets lassen sich über Apps an die individuellen Bedürfnisse des Nutzers anpassen und bieten durch die intuitive Bedienbarkeit vielfältige Möglichkeiten. Dies sind günstige Voraussetzungen für Personen mit kommunikativen Beeinträchtigungen und somit eine gute Basis für die Einbettung der mobilen Geräte in den sprachtherapeutischen Alltag.

Generell ist die Akzeptanz und das Interesse der Nutzer mobiler Geräte an Gesundheits-Apps in Deutschland hoch, das zeigt sich am stetig wachsenden Angebot und der Nachfrage dieser „Gesundheitsratgeber“[2].

Gerade für junge Generationen, die Digital Natives, sind Tablet bzw. Smartphone selbstverständliche Kommunikationsmittel. Allerdings liegen noch zu wenige Studien für die Nutzung von Apps in der Kindersprachtherapie vor und deshalb bestehen Unsicherheiten bei der Auswahl geeigneter Apps. Während im App-Store das Angebot für mögliche Sprachförder- bzw. Sprachtherapie-Apps stetig steigt, stellt sich die Frage, welches Wissen diesen Apps zu Grunde liegt, wer hinter der Entwicklung dieser Apps steckt und was sie leisten können, um Kindern und Therapeuten in der Therapie von Sprachentwicklungsstörungen nützlich zu sein.

[1] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitales-denken/apples-macht-die-politik-des-ipad-1229376.html

[2] https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Fast-jeder-Zweite-nutzt-Gesundheits-Apps.html

Apps zur Wortschatzarbeit in der Logopädie

Anika Thurmann wollte mit ihrer Arbeit herausfinden, welche App objektiv die meisten Kriterien der modellorientierten Therapie nach dem Dell- Modell im Rahmen einer semantisch-lexikalischen Therapie auf quantitativer und qualitativer Ebene erfüllt.

Bei ihrer Recherche konnte sie 12 Apps im App Store identifizieren, die den Kriterien für die Auswahl entsprachen: deutschsprachig, mit Sprachausgabe und Benennen die Lösungsitems; verschiedene Einstellungsmöglichkeiten (Sprachauswahl, Mehrbenutzerfunktion, Themen der angebotenen Items variabel); die App richtet sich an Kinder, die noch nicht lesen können; kostenfrei- und kostenpflichtig zu erhalten; ab iOS 5 und höher; nicht älter als fünf Jahre.

Diese Apps kamen in die Untersuchung:

  1. „Kinder App®“
  2. „LOGO-App©“
  3. interaktive Bilderbücher von „Story Toys – Berühren, Sehen, Hören“
  4. „Emma isst“ aus dem Carlsen Verlag
  5. „Bring mir Wörter bei“ von The Barn of Kinder? Ist das Wort zu viel Kids AB
  6. „Anne“ von Happy Touch
  7. „Reputas-Verben für Kinder“
  8. „Multidingsda“ vom Lehrmittelverlag Zürich
  9. „First Words“ von Luay Kanaan
  10. „384 Puzzles für Kinder“ entwickelt von iAbu22, educational Apps for Kids
  11. „Lernkarten für Kinder©“ aus dem Verlag Pilowar
  12. „Husch Monster“ erstellt vom edulingu Verlag

In der Auswertung zeigte sich, dass die meisten Apps nur 50-60 % der qualitativen und quantitativen Kriterien erfüllen. Damit ist klar, dass der Einsatz mehrerer Apps nötig ist, um verschiedene Modalitäten in einer Sprachtherapie abzudecken.

Kriterienerfüllung der Apps

Ausblick für die Arbeit der Logopäden

Um diese Apps gezielt einsetzen zu können, sind allerdings Qualifizierungsmaßnahmen für die Therapeuten notwendig. Sie müssen neue Lehrmethoden erwerben und wissen, welche App sich für welche Therapie einsetzen lässt. Damit würde auch der Unsicherheit von Sprachtherapeuten gegenüber dem Einsatz von Technologien und neuen Medien entgegengewirkt werden.

Es muss eine Aufklärung der sprachpädagogischen Fachkräfte und der Eltern über mögliche Veränderungen, im positiven (z. B. Verbesserung der phonologischen Bewusstheit) wie im negativen Sinne (z. B. Ablenkung vom Kommunikationsverlauf) erfolgen.

Nur so können die Vorteile der häuslichen Übung und damit einhergehend eine höhere Übungsfrequenz effektiv genutzt werden. Denn es zeigt sich, dass gerade Eltern von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen Medien mit sprachförderndem Charakter seltener zur Verfügung stellen als Eltern von sprachtypisch entwickelnden Kindern.

Die Themenwahl dieser Bachelorarbeit ist damit keine Antwort auf einen Trend, sondern auf den notwendigen Schritt zur Digitalisierung in der Logopädie.

„Kommunikation ist Dialog – das kann keine App ersetzen. Es wird immer eine Mischung sein, die den Erfolg einer Therapie ausmacht.“

Anika Thurmann

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2019 führten die Studierenden des Masterstudiengangs Therapiewissenschaften eine Studie über die Entwicklung der beruflichen Perspektiven in den Therapiewissenschaften durch. Bei adhibeo gibt Prof. Dr. Sabine Hammer Antworten auf drängende Fragen.

Über den Autor

Barbara Debold
Barbara Debold ist Teil der adhibeo-Redaktion und arbeitet im Bereich Marketing und Kommunikation der Hochschule Fresenius.

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