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Als Familienunternehmen erfolgreicher durch die Finanzkrise

Familienunternehmen gelten als Inbegriff eines erfolgreichen, nachhaltigen und sozialen Unternehmertums – im Gegensatz zu einem kurzfristig orientierten Gewinnstreben vieler Kapitalmarktakteure. Erbringen familiengeführte Unternehmen aber wirklich langfristig bessere Leistungen als Firmen, in der keine Familie die Geschicke mitbestimmt? Und überstehen sie Krisenzeiten – wie die 2008 nach Deutschland übergeschwappte Finanzkrise – besonders gut?

Prof. Dr. Matthias Sure, Studiendekan Corporate Finance & Controlling (M.Sc.) an der Hochschule Fresenius in Köln, hat sich diesen Fragen in einer quantitativen Studie gewidmet. Dafür hat er gemeinsam mit Birte Thiemermann, Masterabsolventin der Hochschule Fresenius und Mitarbeiterin im Corporate Risk Management der Covestro AG, die Performance von 26 DAX-30-Unternehmen zwischen 2005 und 2015 verglichen. Im Interview mit adhibeo spricht er über die Ergebnisse.

Die zentrale Frage zu Beginn: Sind Familienunternehmen erfolgreicher als nicht-familiengeführte Firmen?

Das ist nicht ganz eindeutig zu beantworten, aber zumindest in einzelnen Bereichen zeigen Unternehmen in Familienhand – nach der von uns verwendeten Definition sind dies Unternehmen, bei denen die Gründerfamilie mindestens 25 Prozent der Stimmrechte hält oder, bei geringerem Anteil, Positionen im Vorstand und/oder Aufsichtsrat besetzt – eine bessere Leistung. So konnten wir im Rahmen unserer Studie feststellen, dass die Gesamtkapitalrendite von Familienunternehmen im Vergleich zu nicht-familiengeführten Firmen signifikant besser ist. Die Gesamtkapitalrendite ist eine klassische Messgröße für die Bilanzperformance: Sie zeigt an, wie hoch der Gewinn eines Unternehmens im Verhältnis zum eingesetzten Kapital ist.

Welche weiteren KPIs haben Sie untersucht und wie haben Familienunternehmen dabei abgeschnitten?

Als weitere ökonomische Kennziffern haben wir die Gewinnentwicklung sowie die Auszahlung von Dividenden betrachtet. Vorangegangene Untersuchungen zeigen, dass Familienunternehmen regelmäßig eine geringere Dividende zahlen und diese eher als Nicht-Familienunternehmen senken. Denn Aktionäre, die neben dem Besitz von Anleihen auch im Unternehmen selbst tätig sind – wie eine Unternehmerfamilie – ziehen oft vor, dass Gewinne in der Firma behalten werden anstatt diese auszuschütten.

Das konnten wir mit unserer Studie allerdings nicht bestätigen: Für die Dividendenausschüttung hat die Variable Familienunternehmen keinen statistisch signifikanten Einfluss. Dies macht jedoch insofern Sinn, wenn man berücksichtigt, dass alle von uns untersuchten Unternehmen im DAX und damit stark vom Kapitalmarkt abhängig sind. Andere Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen, die einen kontrollierenden Aktionär wie beispielsweise eine Familie haben, höhere Dividenden ausschütten. So soll der Eindruck vermieden werden, dass andere Aktionäre benachteiligt werden – was vom Kapitalmarkt sanktioniert werden würde.

Auch in puncto Gewinnentwicklung als Indikator für die Unternehmensleistung konnten wir nicht feststellen, dass Familienunternehmen signifikant besser performen als nicht-familiengeführte Unternehmen. Das heißt, bei den von uns untersuchten ökonomischen KPIs schneiden Familienunternehmen nur in Sachen Gesamtkapitalrendite erkennbar besser ab – und zwar über den gesamten analysierten Zeitraum von 2005 bis 2015. Diese Leistung wurde also auch durch die Finanzkrise 2008 nicht beeinträchtigt.

Sie haben aber nicht nur ökonomische, sondern auch soziale Faktoren in Ihre Analyse einbezogen. Warum?

Wir wollten ein umfassendes Bild der Unternehmensleistung gewinnen und verschiedene Performance-Dimensionen miteinander verknüpfen. Bei Familienunternehmen ist die Frage nach der sozialverantwortlichen Unternehmensführung, der Corporate Social Responsibility, besonders interessant. Denn Familienunternehmen engagieren sich häufig in ihrem regionalen Umfeld und nutzen das Unternehmen, um gemeinnützige Projekte und Einrichtungen zu unterstützen und dabei einen nachhaltigen Beitrag zur regionalen Entwicklung zu leisten. Dieser beeinflusst in der Regel auch ihr Image als attraktiver Arbeitgeber. Daher macht es Sinn, bei der Leistungsbewertung auch soziale Kennziffern zu berücksichtigen.

Typischerweise sind das die Mitarbeiterzufriedenheit oder die Beschäftigungsentwicklung. Familienunternehmen investieren insbesondere dann in ihre Mitarbeiter, wenn sich ihr Wettbewerbsvorteil auf Qualität und Innovationen statt auf Preisführerschaft stützt. Dies führt zu geringeren Fluktuationsraten und stabilerer Beschäftigungsentwicklung, auch in Krisenzeiten. Daher haben wir auch die Mitarbeiterentwicklung der DAX-30-Unternehmen untersucht und die familiengeführten mit den nicht-familiengeführten verglichen.

Mit welchen Ergebnis?

Tatsächlich konnten wir nicht erkennen, dass die untersuchten DAX-30-Familienunternehmen im Sinne der Mitarbeiterentwicklung eine bessere Leistung zeigen als die nicht-familiengeführten Firmen. Damit stützt unsere Studie vorherige Forschungsergebnisse, die überwiegend ebenfalls einen positiven Zusammenhang zwischen Familienunternehmen und Gesamtkapitalrendite sehen. Bei anderen Kennziffern als Messwert der Leistung von familiengeführten und nicht-familiengeführten Unternehmen sind auch die Ergebnisse anderer Studien nicht eindeutig.

Die gesamten Ergebnisse der Studie „Der Einfluss familiärer Gesellschaftsstrukturen auf die Leistung von Kapitalmarktgesellschaften“ sind in der Zeitschrift für Corporate Governance, Ausgabe 4/18, erschienen.

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