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Die Generation Y: Ist sie wirklich so fordernd?

Vertreter der Generation Y, die zwischen 1984 und 1994 geborenen wurden, gelten oft als wenig leistungsbereit und leistungsfähig. Gleichzeitig sollen sie hohe Erwartungen und Anforderungen an Beruf und Arbeitgeber haben. Stimmt das wirklich? Dieser Frage sind Prof. Dr. Michael Bernecker, der an der Hochschule Fresenius in Köln Betriebswirtschaftslehre sowie Marketing lehrt und als Geschäftsführer das Deutsche Institut für Marketing leitet, und seine Kollegin Katharina Silberbach, Projektleiterin am Deutschen Institut für Marketing, nachgegangen.

Sie bezeichnen die Generation Y als eine „missverstandene Generation“. Warum?

Prof. Dr. Michael Bernecker (Gen. X): Weil viele Studien zur Generation Y ein zu negatives Bild dieser Generation vermitteln. Unsere Studie hat aber gezeigt, dass man der Generation Y mit dem Vorurteil der rein fordernden Generation oft unrecht tut.

Katharina Silberbach (Gen. Y): Die Vorgängergenerationen projizieren ihre Erfahrungen, Werte etc. auf uns jüngere Arbeitnehmer. Dabei haben die Bedingungen, in denen eine Generation aufwächst, großen Einfluss auf Verhalten und Denkweise – und diese Bedingungen sind für jede Generation anders. Häufig zeichnet sich das Bild einer rein fordernden Generation Y ab, die ohne Leistungsbereitschaft hohe Ansprüche an den Arbeitgeber stellt. Dabei ist die Generation Y durchaus leistungsbereit. Dadurch sind wir von der Generation Y häufig missverstanden.

Wie unterscheidet sich die Generation Y tatsächlich von zuvor Geborenen der Generation X oder der Babyboomer?

Prof. Dr. Michael Bernecker (Gen. X): Zunächst einmal gibt es Unterschiede in der wirtschaftlichen Situation, in der die Generationen jeweils aufgewachsen sind. Die Generation der Babyboomer hat vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert und hatte dadurch ein optimistisches Zukunftsbild. Die Generation X hingegen wuchs mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unsicherheiten auf. Das hat zu großem Ehrgeiz geführt. Bei der Generation Y haben zahlreiche Krisen vor allem ein starkes Sicherheitsbedürfnis hervorgerufen.

Katharina Silberbach (Gen. Y): Auch in anderen Bereichen zeigen sich Generationenunterschiede. Die Babyboomer sehen neue Technologien skeptisch, weil sie nicht damit aufgewachsen sind. Für die Generation Y gehören neue Technologien und Social Media aber zum Alltag dazu. Verstärkt durch die Selbstdarstellung in sozialen Medien ist gleichzeitig der Druck entstanden, Außergewöhnliches in kurzer Zeit erreichen zu wollen. Diese Einstellung teilen die Vorgängergenerationen nicht, weil sie sich erst über längere Zeit durch harte Arbeit beweisen mussten.

Prof. Dr. Michael Bernecker (Gen. X): Man kann sagen, dass die Babyboomer für die Arbeit gelebt haben. Sie war der Mittelpunkt im Leben. Bei der Generation X nimmt im Vergleich dazu auch die Familie einen hohen Stellenwert ein, der sich in großer Fürsorge für die eigenen Kinder widerspiegelt. Und schließlich noch die Generation Y – für sie ist die Arbeit nicht mehr alles, sie wollen sich selbst verwirklichen und ausreichend Freizeit genießen. Sie haben von den Eltern viel Fürsorge und Anerkennung erhalten, was ihr Selbstbewusstsein deutlich gefördert hat.

Welche Auswirkungen haben die Generationenunterschiede auf den Arbeitsalltag?

Katharina Silberbach (Gen. Y): Die Auswirkungen fangen schon im Bewerbungsprozess an. Die Generation Y wünscht sich flexible Arbeitszeiten, eine gute Work-Life-Balance und technisch bestens ausgestattete Arbeitsplätze. Für die Babyboomer und die Generation X ist es ungewöhnlich, dass Berufseinsteiger so hohe Erwartungen haben.

Prof. Dr. Michael Bernecker (Gen. X): Auch im Arbeitsalltag selbst birgt das Aufeinandertreffen der Generationen durchaus Konfliktpotenzial. Die Generation Y ist zwar leistungsbereit, kann dies aber nicht immer an den Arbeitgeber kommunizieren. So entsteht das Vorurteil der faulen Generation Y. Außerdem ist die Generation Y auf Führung angewiesen, um ihr Potenzial entfalten zu können. Das erkennen die Führungskräfte aus den Vorgängergenerationen häufig nicht und so werden beiderseits Erwartungen enttäuscht.

Müssen unterschiedliche Erwartungen und Herangehensweisen der Generationen an eine Aufgabe immer problematisch sein? Oder kann dies vielleicht auch die Innovationskraft und kreative Lösungen fördern?

Prof. Dr. Michael Bernecker (Gen. X): Wenn die Kommunikation stimmt, funktioniert auch die Zusammenarbeit verschiedener Generationen. Und dann entsteht tatsächlich ein großes Potenzial für Effizienz und Kreativität.

Katharina Silberbach (Gen. Y): Die Generation Y ist mit Technologie und sozialen Netzwerken aufgewachsen, davon können die Generation X und besonders die Babyboomer noch etwas lernen. Gleichzeitig werden junge Arbeitsanfänger der Generation Y durch die Arbeitsmoral der Vorgängergenerationen gefordert und können durch deren Führung ihr volles Potenzial entfalten.

Prof. Dr. Michael Bernecker (Gen. X): Voraussetzung für eine harmonische Zusammenarbeit ist, dass die Erwartungen und Einstellungen der Generationen bekannt sind. Nur so ist es möglich, sich aufeinander einzustellen und eine Herangehensweise zu finden, mit denen alle Generationen zurechtkommen. Dann können statt Reibereien Innovationen entstehen.

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