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Du machst mich krank – Führungsverhalten wirkt sich auf die Gesundheit Angestellter aus

Die Gesundheit von Erwerbstätigen ist sowohl für die Forschung als auch für Unternehmen ein wichtiges Thema und rückt in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Welche Faktoren für das Wohlbefinden von Arbeitnehmern eine Rolle spielen und in welchem Zusammenhang die Gesundheit einer Belegschaft mit deren jeweiliger Führungskraft steht, wurde in einer Längsschnittstudie der Universität Heidelberg, dem Helmholtz Zentrum München – Studienzentrum Augsburg und der Hochschule Fresenius Heidelberg untersucht. Prof. Dr. Burkhard Schmidt, Vizepräsident der Hochschule Fresenius Heidelberg und Professor für Wirtschafts-, Arbeits- und Organisationspsychologie, erklärt im Interview mit adhibeo, wie sich das Führungsverhalten Vorgesetzter auf die Gesundheit der Angestellten auswirkt.

Welche Faktoren haben Sie in Ihrer Längsschnittstudie untersucht?

In der Occupational Health Psychology, einer interdisziplinären Grenzdisziplin zwischen Klinischer Psychologie sowie Arbeits- und Organisationspsychologie, beschäftigt die Forschung schon länger, ob ein valider Zusammenhang zwischen dem Führungsverhalten und der Gesundheit der Mitarbeiter besteht, sei er positiv oder negativ. Aus vorherigen Querschnittstudien war bekannt, dass mangelnde Unterstützung der Mitarbeiter durch die Führungskraft (Supportive Leadership Behavior, SLB) ein Risikofaktor für die Gesundheit der Mitarbeiter darstellt. Dafür fehlte es bisher jedoch an validerer Evidenz, insbesondere in Längsschnittstudien. SLB, zumindest so von uns gemessen, steht für Unterstützung in schwierigen Situationen sowie Anerkennung und Feedback zu geleisteten Arbeitsaufgaben, bzw. eben das Nichterleben solchen Verhaltens bei Mitarbeitern.Unsere Studie, die wir gemeinsam mit der Universität Heidelberg sowie dem Helmholtz Zentrum München durchgeführt haben, zielte darauf ab, die Wirkung von SLB auf die selbstwahrgenommene Gesundheit – die ein verlässlicher Indikator von psychischer und physischer Gesundheit ist – zu bestimmen.

Welche Verhaltensweisen von Führungskräften führen dazu, dass die Gesundheit der Mitarbeiter gefährdet sein könnte?

Wir waren in der Lage, immerhin 884 Beschäftigte, über die wir alle diese Informationen einholen konnten, über zehn Jahre zu begleiten, und konnten somit anhand statistischer Verfahren und unter Kontrolle verschiedener möglicher störender Einflüsse zeigen: Wenn es Mitarbeitern an Unterstützung bei Schwierigkeiten sowie Anerkennung und Feedback mangelt, bewerten sie ihre Gesundheit sowohl zu Beginn der Untersuchung wie auch zehn Jahre später deutlich schlechter als die Referenzgruppe, die diese Probleme nicht hatte. Hierbei ist nochmals darauf hinzuweisen, dass wir für eine Vielzahl von Faktoren, die Gesundheit und Stress beeinflussen, kontrollieren konnten. Wir konnten in diesem komplexen Zusammenhangsgeflecht zeigen, dass Mitarbeiter, die von ihren Vorgesetzten keine Unterstützung erfahren haben, eine mehr als doppelt so hohes Risiko haben, nach zehn Jahren ihre Gesundheit deutlich schlechter zu bewerten, als wiederum die Vergleichsgruppe. Dabei ist allerdings davon auszugehen, dass insbesondere das Erleben von Arbeitsstress eine mögliche moderierende Rolle spielt, wie auch schon vorher in der Forschung gezeigt wurde. Allerdings veränderten sich unsere Ergebnisse kaum, nachdem wir den erlebten Arbeitsstress einrechneten, was wiederum für einen Effekt des Führungsverhaltens spricht.

Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Unsere Studie deutet darauf hin, dass dieser Effekt vor allem bei Männern auftritt, aber hier sollte mit großer Vorsicht argumentiert werden. In der Forschung zu Führungsverhalten, Stress und Gesundheit gibt es häufig eine Selektionsverzerrung, d. h. die Studienpopulationen sind beispielsweise stark männlich oder weiblich besetzt, das beeinflusst natürlich die Ergebnisse. So bestand unsere Studienpopulation zu 61 Prozent aus Männern, was eine gewisse Tendenz vermuten lässt.

Was bedeuten die Ergebnisse Ihrer Studie für Unternehmen?

Moderne, innovative Unternehmen haben längst verstanden, dass Leistungsmotivation und Gesundheit von Mitarbeitern zwei Seiten derselben Medaille sind. Unterstützendes Führungsverhalten, dass Mitarbeitern Rückmeldung, Interaktion und Anerkennung für gute Arbeit liefert, trägt unseres Erachtens maßgeblich zur Gesundheit der Mitarbeiter bei und somit zu deren Motivation und Zufriedenheit. Und an diesen Merkmalen hängen für Unternehmen wesentliche Wettbewerbsfaktoren wie Innovation, geringerer Turnover (also Verlust von High Potentials an die Konkurrenz), ein gutes Image beim Personal-Recruiting – in Zeiten des Fachkräftemangels entscheidend –, höhere Einsatzbereitschaft der Belegschaft und natürlich auch geringere Kosten durch kranke Mitarbeiter.

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