Studentische Arbeiten

Wearables und Gesundheits-Apps: Ausdruck eines neuen Verständnisses von Gesundheit?

Wearables wie Fitness-Tracker und Gesundheits-Apps sind aus dem Alltag vieler Deutscher nicht mehr wegzudenken: Studien zeigen, dass jeder dritte Bundesbürger Fitness-Armbänder, Kalorienzähl-Apps oder ähnliche Devices und Anwendungen nutzt. Ist das nur ein Mode-Gag, durch den Fitnessbegeisterte ihr tägliches Sportpensum tracken und teilen können? Oder ist der Trend Ausdruck eines veränderten Umgangs mit Gesundheitsdaten? Das haben Studierende des Studiengangs Management & Ökonomie im Gesundheitswesen (B.A.), Fachbereich Wirtschaft & Medien der Hochschule Fresenius, im Rahmen eines Praxisprojektes unter die Lupe genommen. Dafür wurden im Herbst vergangenen Jahres insgesamt 514 Personen online befragt. Wir haben mit Prof. Dr. Thomas Teyke, Studiendekan und Verantwortlicher der Studie, über die Kernergebnisse gesprochen.

Welches Studienergebnis hat Sie am meisten überrascht?

Sehr spannend ist aus meiner Sicht, welchen Einfluss Wearables und Gesundheits-Apps darauf haben, wie das eigene Verhalten wahrgenommen wird. Sechs von zehn Befragten, die entsprechende Devices und Anwendungen täglich nutzen, sind davon überzeugt, dass sich ihr Gesundheitsverhalten dadurch deutlich verbessert hat. Interessanterweise waren Frauen überzeugter, positiven Nutzen zu erfahren, als Männer.

Wearables und Gesundheits-Apps führen also dazu, sich gesundheitsbewusster zu verhalten?

Ja. Die von uns befragten Nutzer sind deutlich gesundheitsbewusster als die Nicht-Nutzer. Das heißt sie geben häufiger an, Sport zu treiben und auf ihre Ernährung zu achten – und die getrackten Fitness- und Gesundheitsdaten motivieren sie, dies noch stärker zu tun. Das heißt die Nutzer vertrauen Daten, um ihre Gesundheit zu steuern.

Werden Daten als Basis eines Verständnisses von Gesundheit und Krankheit generell relevanter?

Das konnten wir nicht bestätigen. So haben wir die Studienteilnehmer auch nach den Haupt-Risikofaktoren für Volkskrankheiten gefragt: Nur jeder fünfte Befragte – und das gilt sowohl für Nutzer als Nicht-Nutzer – kennt den eigenen Blutzucker- oder Cholesterinwert. Zudem konnte uns weniger als jeder Sechste die Hauptrisiko-Faktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten nennen und nicht einmal jeder Zehnte die für Lungenkrebs. Damit konnten wir nicht nur bestätigen, dass die Kenntnis um Risikofaktoren für Volkskrankheiten in Deutschland generell schlecht ausgeprägt ist, sondern auch zeigen, dass Wearables darauf offensichtlich keine Auswirkung haben. Wir können also aus den Ergebnissen nicht darauf schließen, dass sich das Gesundheitsverhalten oder -bewusstsein prinzipiell verändert hat, weil wir durch Wearables und Apps mehr auf Gesundheitsdaten vertrauen. Der Weg zu einem wirklich selbstverantwortlichen, gesundheitsbewussten Verhalten ist noch sehr weit.

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