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Du bist, was du isst – Wie sieht die Ernährung der Zukunft aus?

Nachhaltigkeit, Biosiegel, Superfood: Ernährung ist mittlerweile ein Lifestyle-Thema. Es geht nicht mehr ausschließlich darum, satt zu werden, sondern um Lebensstile nach dem Motto „Du bist, was Du isst“. Der Konsument von heute möchte sich gesund und nachhaltig ernähren, allerdings wird zunehmend kritisch hinterfragt, woher die Waren in den Supermarktregalen kommen, wie sie angebaut wurden, welche Inhaltsstoffe sie haben und ob sie umweltschonend verpackt sind. Ein Trend, auf den die Lebensmittelbranche mit ihrem Angebot entsprechend reagieren muss. Zum einen ist dies wichtig mit Blick auf den Umsatz – der Lebensmittelhandel erwirtschaftet fast 200 Mrd. Euro jährlich. Andererseits aber leisten die Unternehmen und die Branche insgesamt auch einen großen Beitrag zum Gemeinwohl der Gesellschaft, der oft viel zu wenig bekannt ist

Im Rahmen des Symposiums „Leibliches Wohl und Gemeinwohl – Ernährungskonzepte und Geschäftsmodelle mit Nachhaltigkeit“ präsentieren und diskutieren Experten Ergebnisse ihrer Studien zum Gemeinwohlbeitrag des deutschen Lebensmittelhandels und zeigen alternative Ernährungskonzepte und Geschäftsmodelle auf.

Prof. Dr. Fabian Christandl, Professor für Wirtschafts- und Sozialpsychologie und Studiendekan Wirtschaftspsychologie (M.Sc.), Fachbereich Wirtschaft & Medien, an der Hochschule Fresenius hat uns im Vorfeld des Symposiums in einem Interview erklärt, wie die Ernährung der Zukunft aussehen kann:

Welche Ernährungsgewohnheiten haben die letzten Jahrzehnte geprägt und welche neuen Trends zeichnen sich aktuell ab?

In den letzten Jahrzehnten haben sich in den Ernährungsgewohnheiten einige Veränderungen ergeben und es zeichnen sich zurzeit auch einige interessante neue Trends ab. Grundsätzlich kann man festhalten, dass sich insgesamt ein bewussteres Essverhalten entwickelt und Essen auch immer mehr zu einem Lifestylethema wird. Vielen Konsumierenden geht es zunehmend weniger darum, einfach nur satt zu werden. Vielmehr geht es um Lebensstile nach dem Motto „Du bist was Du isst“. So hat lange Zeit eine Art „Geiz ist geil“-Mentalität in der Lebensmittelbranche eine große Rolle gespielt, was sich auch in der nach wie vor großen Bedeutung von Discountern im Vertrieb von Lebensmitteln zeigt.  Zunehmend finden sich aber Konsumenten, die kritisch fragen, woher die Waren in den Supermarktregalen kommen, wie sie angebaut wurden, welche Inhaltsstoffe sie haben und ob sie umweltschonend verpackt sind. Dementsprechend verändert sich der Markt, was sich auch in einem zunehmenden Marktanteil von nachhaltigen Produkten und nachhaltig orientierten Vertriebswegen zeigt.

Die explodierenden Bevölkerungszahlen und die damit verbundenen Umweltprobleme stellen die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Was muss sich in puncto Ernährung ändern?

Im Zusammenhang mit explodierenden Bevölkerungszahlen und den daraus resultierenden Umweltproblemen stellen sich einige gesellschaftliche Herausforderungen, die auch die Ernährungsbranche betreffen. Dabei sind seitens der Ernährungsbranche insbesondere zwei Aspekte zu berücksichtigen. Einerseits benötigen wir ausreichende und kostengünstige Nahrung, um die steigende Weltbevölkerung erfolgreich ernähren zu können und die weltweit leider immer noch vorherrschende Unterernährung erfolgreich zu bekämpfen. Andererseits dürfen wir dabei auch andere relevante Ziele, wie beispielsweise die Bekämpfung des Klimawandels nicht aus den Augen verlieren. So werden die weltweiten CO2-Emmissionen, die durch nahrungsbedingte Tierzucht entstehen, auf rund 20% geschätzt. Daher darf eine steigende Nahrungsmittelproduktion nicht zulasten der Bekämpfung des Klimawandels stattfinden.

Wie sieht die Ernährung der Zukunft konkret aus und welche Weichen müssen dafür in der Gesellschaft gestellt werden?

Die Ernährung der Zukunft wird sicherlich mindestens genauso vielfältig sein, wie es bei der Ernährung der Gegenwart der Fall ist. Allerdings müssen dabei sicherlich auch vereinzelt gesellschaftliche Widerstände überwunden werden, wie es bei Neuerungen eigentlich immer der Fall ist. Beispielsweise haben Insekten aufgrund ihres hohen Proteingehalts und einer vergleichsweise günstigen und umweltfreundlichen Produktion durchaus das Potential, in Zukunft eine wertvolle Ernährungsquelle darzustellen. Dafür müssen aber beispielsweise natürliche Ekelreaktionen überwunden werden, die in unserem Kulturkreis gegenüber insektenbasierter Nahrung auftreten. Ähnliche Widerstände dürften auch gegenüber anderen Nahrungsmittel-Innovationen zu erwarten sein, wie beispielsweise gegenüber Stammzell-Fleisch, welches im Labor gezüchtet wird und wofür keine Tiere leiden und sterben müssen.

Das Symposium ist öffentlich und kostenfrei.

Datum: 3. Mai 2018
Uhrzeit: ab 18 Uhr
Ort: Hochschule Fresenius,
Fachbereich Wirtschaft & Medien
Atrium, MediaPark 4c, 50670 Köln

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