Gastbeitrag

Aids und Religion: Wie kann Religion dazu beitragen, die psychosozialen Folgen von HIV/Aids abzumildern?

Religion kann die psychosozialen Folgen einer Aids-Erkrankung abfedern. Bild: Designed by Freepik

Neue Risikogruppen und ein neues Risikoverhalten erfordern Konzepte, die der Angst und der alltäglichen Stigmatisierung infizierter Menschen adäquate psychologische Trainings- und Präventionskonzepte entgegensetzen.

Dr. Carsten Klöpfer, Hochschuldozent an der Hochschule Fresenius und Lecturer an der Universität zu Köln, hat in seiner Promotion den psychologischen Hintergrund der Folgen von HIV/Aids, Coping-Strategien und inter- und intrakulturelle Präventionskonzepte in der südostasiatischen und europäischen Gesellschaft am Beispiel des Christentums und des Buddhismus analysiert.

„Die physischen Beeinträchtigungen zeigen sich in der Regel erst im Endstadium der Krankheit, bis dahin aber werden die Menschen mit Stress, Ärger, Depression, sozialen Problemen, Verlust der Arbeit, ökonomischen Problemen, Diskriminierung, Stigma und so weiter konfrontiert. Mit diesen Problemen wird nicht nur das Individuum, sondern die ganze Umgebung konfrontiert: Familie, Kinder, Freunde, Gemeinde etc. Dies zeigt, dass Aids nicht nur ein gesundheitliches, sondern vor allem ein psychosoziales Problem darstellt, und dass es Einfluss auf jeden hat“, so Dr. Klöpfer.

Nachdem in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts HIV/Aids durch seine rasche Verbreitung und besonderen Ansteckungswege als eine Bedrohung der Weltbevölkerung angesehen wurde, ist heute diese Thematik aufgrund der lebensrettenden medikamentösen Versorgung aus dem Bewusstsein weitestgehend verschwunden. Eine Problematik aber, die an gesellschaftlicher Relevanz verliert, provoziert die Tendenz zur Stigmatisierung. Die Informationsversorgung nimmt folglich ab, wodurch das Risikoverhalten respektive die Infektionszahlen ansteigen. Dies und das Scheitern vieler (medizinisch orientierter) Präventionskampagnen haben deutlich gezeigt, dass erfolgreiche Prävention kulturelle, soziale und ökonomische Gegebenheiten berücksichtigen muss.

Vor dem Hintergrund und dem Verständnis der psychologischen und psychosozialen Gegebenheiten südostasiatischer und europäischer Gesellschaften analysiert Dr. Klöpfer die Stärken und Schwächen der kulturspezifischen Potentiale und die der entsprechenden Religionen zur Überwindung der psychosozialen Folgen von HIV/Aids. Anhand von Experteninterviews extrahiert Dr. Klöpfer die Faktoren, die für eine effektive und kulturangemessene Präventionsstrategie notwendig sind. „Good practice“-Beispiele konkretisieren diese Faktoren, verifizieren sie und zeigen so Möglichkeiten zur innovativen Anwendung auf.

Dr. Klöpfer möchte den Blick für die (manchmal erschreckend profanen) kulturellen Ursachen der HIV/Aids-Pandemie schärfen und aufzeigen, dass die Reduzierung des HI-Viruses nicht ohne die selbstbestimmte Partizipation der Menschen vor Ort geschehen kann, dass Religion hier ein bis dato oftmals wenig ausgeschöpftes Potential besitzt und eine Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Menschen, Institutionen, Kulturen und Ländern unabdingbar ist. Dr. Klöpfer propagiert einen spirituell-holistischen Ansatz, der nicht an den Grenzen von HIV/Aids endet und der jeden betrifft.

Traumaberatung: Wie kann traumatisierten Menschen adäquat geholfen werden?

Da Trauma und die damit einhergehende Symptomatik nur schwer greifbar, benennbar und verstehbar sind und dementsprechende Unsicherheit im Hinblick auf die angemessene Reaktion besteht, ist es wichtig zu verstehen, was der heutzutage so inflationär benutzte Begriff des „Traumas“ überhaupt bedeutet. Dieser Frage und dem angemessenen Umgang mit den Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen geht Dr. Carsten Klöpfer nach.

„Seit meiner Ausbildung zum Fachberater für Psychotraumatologie erlebe ich in meinem beruflichen und universitären Umfeld ein massives Interesse an diesem Thema. Viele Menschen kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen auf mich zu, die schon seit Längerem das Gefühl haben, dass bei ihrem Klientel traumatische Erfahrungen eine große Rolle spielen, und dass die Notwendigkeit besteht, diese Erfahrungen angemessen in ihre Arbeit zu integrieren“, so Dr. Carsten Klöpfer, Hochschuldozent an der Hochschule Fresenius, Lecturer an der Universität zu Köln und Traumaberater in der „Beratungsstelle für Gewalt- und Unfallopfer“ des „Deutschen Institutes für Psychotraumatologie“ (www.psychotraumatologie.de).

Dass dieses Ansinnen mehr als gerechtfertigt ist, zeigt schon der Blick auf unterschiedlichste psychische Erkrankungen und Problematiken, denen häufig eine traumatische Erfahrung zugrunde liegt. Außerdem erfordert die Begleitung traumatisierter Menschen ein spezifisches Wissen über die Verursachung, den Umgang und die Nachsorge traumatischer Erfahrungen. Begegnet man diesen nicht angemessen oder werden sie als Grund für eine bestehende Problematik nicht erkannt, besteht die Gefahr, dass diese chronifizieren und das Problem „entgleitet“.

Seine theoretischen und praktischen Erfahrungen versucht Dr. Klöpfer im „Lehrinstitut für Systemisch-Humanistische Beratungsmethoden“ und an der HS Fresenius in Tagesseminaren an seine Studenten weiterzugeben, damit diese

  • Traumatisierungen und assoziierte Symptomatiken besser erkennen können,
  • Traumahintergrund und -folgen besser einschätzen können,
  • betroffenen Menschen beraterisch besser gerecht werden und die aufgezeigten Methoden in die alltägliche Beratungsarbeit integrieren können,
  • Entscheidungen treffen können, welche Form der Unterstützung diese Menschen benötigen.

 

Die zugrunde liegende Einstellung bei der Beratung traumatisierter Menschen beschreibt Dr. Klöpfer folgendermaßen: „Bei der Arbeit mit traumatisierten Menschen empfinde ich die humanistische Sichtweise als grundlegend, nach der jeder Experte seiner eigenen Problematik ist und Beratung dazu dient, das Finden passender Lösungsideen zu finden und zu begleiten. So halte ich es bereits für sehr wirkungsvoll, Klienten zu verdeutlichen, wie verständlich und gesund ihre Reaktionen auf eine ganz und gar verrückte Situation ist und dass sie sich und ihrer Umgebung die nötige Zeit geben müssen, um diese Erfahrung zu verarbeiten.“

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