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Wenn die Zeit verfliegt, erleben wir mehr Flow und werden produktiver

Wenn wir etwas tun, was uns Spaß macht, scheint die Zeit schneller zu vergehen. Bild: Designed by katemangostar / Freepik
Wenn wir etwas tun, was uns Spaß macht, scheint die Zeit schneller zu vergehen. Bild: Designed by katemangostar / Freepik

„Ich bin im Flow“ – das ist eine Aussage, die ausdrückt, dass man sich bei einer Tätigkeit in einem Idealzustand befindet. In einer umfassenden Studie haben die (Wirtschafts-)psychologen Prof. Dr. Katja Mierke und Prof. Dr. Fabian Christandl der Hochschule Fresenius in Zusammenarbeit mit Jun.-Prof. Dr. Corinna Peifer von der Ruhr-Universität Bochum untersucht, welchen Einfluss der Faktor Zeitwahrnehmung beim Flow-Erleben hat. Dazu wurden vier Experimente mit insgesamt 254 Probanden durchgeführt.

Das Flow-Gefühl lässt sich künstlich auslösen

Die Forscher fanden heraus, dass sich ein Flow-Erleben experimentell auslösen lässt. Ausgehend von dem Befund, dass in Phasen des Flows „die Zeit verfliegt“, hat das Forscherteam den Faktor Zeit näher betrachtet. Dazu haben sie in mehreren Experimenten die Zeitwahrnehmung künstlich manipuliert. Im ersten Versuch wurden den in zwei Gruppen aufgeteilten Teilnehmern die gleichen Aufgaben wie z.B. Wortpuzzle gestellt. Einer Gruppe wurde gesagt, dass sie zur Lösung 15 Minuten Zeit hätten, der anderen wurden nur fünf Minuten eingeräumt. Tatsächlich hatten beide Gruppen zehn Minuten Zeit. Teilnehmer, die 15 Minuten erwartet hatten, bekamen so eher das Gefühl, dass die Zeit verflogen ist. Dies führte dazu, dass sie auch eher angaben, Flow erlebt zu haben als dies in der anderen Gruppe der Fall war.

Auch anschließende Aufgaben werden leichter

Eine weitere Erkenntnis: Hat man durch manipulierte Zeitwahrnehmung Flow bei einer Aufgabe erlebt, wird die Performance bei einer anschließenden Tätigkeit verbessert. So sollten die Probanden direkt im Anschluss eine ähnliche zweite Aufgabe lösen. Diejenigen, die während der ersten Aufgabe angegeben hatten, Flow erlebt zu haben, lösten die Folgeaufgabe besser und erlebten wieder mehr Flow als die Vergleichsgruppe, dieses Mal echten – da die Zeitwahrnehmung im zweiten Durchgang nicht manipuliert wurde.

Zum Weiterlesen: Christandl, F., Mierke, K., & Peifer, C. (2018). Time Flows: Manipulations of Subjective Time Progression Affect Recalled Flow and Performance in a Subsequent Task. Journal of Experimental Social Psychology, 74, 246-256.

Übrigens: Prof. Dr. Katja Mierke und Prof. Dr. Fabian Christandl befassen sich schon länger mit dem Phänomen Zeitwahrnehmung und haben im vergangenen Jahr für adhibeo ein Interview zum Thema Sommerferien gegeben. Das Interview können Sie hier nachlesen.

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