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So kommt das Wissen ins Langzeitgedächtnis

Mit der richtigen Lernstrategie kann man es schaffen, viel Wissen ins Langzeitgedächtnis zu bekommen. Foto:Designed by Freepik
Mit der richtigen Lernstrategie kann man es schaffen, viel Wissen ins Langzeitgedächtnis zu bekommen. Foto: Designed by Freepik

Die Prüfungszeit steht bevor – mal wieder schneller als gedacht. Der noch zu lernende Stoff scheint unbezwingbar zu sein. Wie es gelingen kann, mit bestimmten Lernstrategien Inhalte auch kurz vor der Prüfung noch effektiv zu lernen und dauerhaft zu speichern, erklärt Dr. phil. Kathrin Schütz, Kommisarische Studiengangsleiterin Wirtschaftspsychologie / Business Psychology (B.Sc.), im Fachbereich Wirtschaft & Medien an der Hochschule Fresenius.

Einfach nur einen Text lesen und danach alles wiedergeben können – es wäre schön, wenn das so einfach ginge. In Wirklichkeit ist Lernen mühsame Arbeit. Es gibt verschiedene langfristige Lernstrategien, mit denen Gedächtnissportler arbeiten, zum Beispiel die Loci-Methode. Mit dieser Methode werden Inhalte anhand einer fiktiven Struktur miteinander verknüpft. Man denkt zum Beispiel an seine Wohnung oder einen bekannten Weg und legt dort im Kopf die zu merkenden Inhalte an bestimmten Orten ab (locus ist lateinisch für Ort/Platz). „Für eine derart umständliche Methode haben wir Anfang Januar aber keine Zeit mehr, da muss es schneller gehen“, meint Kathrin Schütz. Zum effektiven Lernen eigne sich die sogenannte Enkodierspezifität besser. „Die Umstände, unter denen wir lernen, haben einen Einfluss darauf, wie gut wir das Gelernte abrufen können. Wo man etwas lernt, hat Auswirkungen darauf, wie man etwas wiedergibt“, sagt Schütz. Konkret bedeutet das: Wenn ich etwas am Strand gelernt habe, kann ich mich anschließend am Strand besser daran erinnern als am Schreibtisch.  Gelernt wird also am besten in einem Umfeld, das dem in der Klausursituation ähnlich ist. „Auf jeden Fall sollte man Fernsehen und Handy ausschalten und sich selbst ruhig auch ein wenig Stress aufbauen. Es lohnt sich auch, die Aufgaben selbst wie in einer Klausur auf einen Zettel zu schreiben, diesen zuerst umgedreht auf dem Tisch liegen zu lassen und anschließend in einer bestimmten Zeit die Fragen zu beantworten. Im allerbesten Fall übt man das auch in den Räumen der Hochschule“, empfiehlt Kathrin Schütz. Auch Referate und Vorträge sollte man vorher einmal laut vor Zuhörern halten. Die Enkodierspezifität erklärt übrigens auch, warum ein aus dem Urlaub mitgebrachtes Lebensmittel zuhause nicht mehr so gut schmeckt oder die Musik sich nicht mehr so gut anhört.

Um jetzt noch schnell viel Wissen ins Gedächtnis zu bekommen, sollte man außerdem folgende Tipps beachten:

  • Einfach mal anfangen! Erstmal aufräumen, putzen, den Kühlschrank neu sortieren, T-Shirts bügeln – was tut man nicht alles, um sich bloß nicht an den Schreibtisch setzen zu müssen. „Prokrastination ist ein völlig normales Verhalten bei ungeliebten Aufgaben. Es ist aber gut, einfach mal anzufangen, dann läuft der Rest von selbst“, rät Kathrin Schütz.
  • Häppchenweise und gestaffelt auf mehrere Tage verteilt lernen. Immer wieder Pausen machen und an die frische Luft gehen und etwas ganz Anderes machen. Wie genau man lernt, hängt von den eigenen Vorlieben ab. „Jeder ist da anders. Der Eine ist mehr visuell orientiert, der Andere lernt besser mit angewandten Beispielen, der Nächste kann vielleicht gut auswendig lernen“, sagt Kathrin Schütz.
  • Ähnliche Fächer nicht hintereinander weg lernen. Ansonsten vermischen sich die Informationen. Am Abend vor einer Klausur sollte man sich auch nicht mit den Inhalten eines anderen Fachs beschäftigen.
  • Abwechslung schaffen. Inhalte nicht immer in der gleichen Reihenfolge lernen, sondern den Ablauf ändern, also zum Beispiel die letzten Kapitel zuerst lernen oder mittendrin anfangen. „Die vorderen Kapitel können die meisten oft besser, diesem einseitigen Wissen kann man so vorbeugen“, sagt Schütz.
  • Eigene Beispiele aus dem Lernstoff bilden. „Es ist wichtig, zu verstehen, was man tut, anstatt etwas bloß stupide auswendig zu lernen.“
  • Mit anderen austauschen und sich abfragen lassen. Durch die Auseinandersetzung mit anderen, die womöglich in der gleichen Situation sind, wird der Lernstoff noch einmal anders verarbeitet. Andere Menschen stellen auch andere Fragen und ermöglichen so einen anderen Zugang zum Erlernten. Auch derjenige, der die Fragen stellt, lernt dabei etwas. „Die Tiefe der Verarbeitung ist wichtig. Ich verstehe und wende an, um anderen Fragen zu stellen“, erklärt Schütz.
  • Am letzten Abend vor der Klausur keine neuen Inhalte mehr lernen. Den gelernten Stoff kann man am Abend vor der Klausur gerne noch wiederholen, aber man sollte sich keine neuen Bücher und Informationen mehr besorgen. „Schauen Sie am Abend vor der Klausur nicht mehr nach weiteren und neuen Infos, sondern vertrauen Sie auf Ihr Skript. Ansonsten entstehen Interferenzeffekte: Neue und alte Informationen überlagern und behindern sich gegenseitig“, so Schütz.

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