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Neu gestaltete Busse für ältere Menschen

Ältere, in der Mobilität eingeschränkte Menschen brauchen eine andere Ausstattung im Bus als Jüngere. Designed by valeria_aksakova / Freepik
Ältere, in der Mobilität eingeschränkte Menschen brauchen eine andere Ausstattung im Bus als Jüngere. Designed by valeria_aksakova / Freepik

„Mobilität im Alter“ ist eines der Kernthemen der Forschung des Institutes für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius. Ein Thema, das die deutsche Gesellschaft vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sehr beschäftigt. Wie können wir sicherstellen, dass in Zukunft ältere und in der Mobilität eingeschränkte Menschen nichts von ihrer Lebensqualität einbüßen müssen und unter Aspekten der Gesundheitsversorgung und der sozialen Teilhabe voll integriert bleiben?

„Alterungsprozesse gehen nicht nur mit der Veränderung von motorischen Fähigkeiten einher, sondern haben auch Einfluss auf Wahrnehmung und Informationsverarbeitung. Mobilitätsangebote – und hierzu gehört vor allem der regionale Busverkehr – müssen entsprechend angepasst werden“, sagt Prof. Dr. Christian Haas, Leiter des Instituts für komplexe Gesundheitsforschung an der Hochschule Fresenius, Fachbereich Gesundheit & Soziales.

Ein Mosaikstein ist die Entwicklung neuer Buskonzepte und die Umgestaltung des Fahrgastraums. Das ist gelebte Realität und geht auf das Engagement der Hochschule zurück. Prof. Dr. Christian Haas und sein Team haben zum Thema umfassend geforscht. Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die Entwicklung eines Linienbusmodells ein, das zurzeit von Iveco Bus gebaut wird. Es handelt sich nicht um einen Prototypen, sondern einen Bus, der bereits im ersten Quartal 2018 in den Betrieb gehen soll. Nutzer wird die Bussparte der DB Regio AG sein, die pro Jahr rund 600 Millionen Fahrgäste  bundesweit befördert. Das Unternehmen arbeitet eng mit dem Institut für komplexe Gesundheitsforschung zusammen.

Relevante Sitze sind höher und konsequent nach vorne ausgerichtet

Erstmals vorgestellt wurde die Idee des neuen „Komfortlinienbusses“ im Oktober anlässlich der Busworld, der weltweit größten Messe für Linien- und Reisebusse im belgischen Kortrijk. Nochmals detailreicher wurde es bei der Präsentation im Rahmen des Branchenkongresses RegioSignale, der im November in Frankfurt am Main stattfand. Statt „Hands on“ hieß es hier „Sit on“ – die Besucher hatten erstmals Gelegenheit, komplett neu konzipierte Sitze für die neuen Busse zu testen, die das Setzen und Aufstehen um einiges vereinfachen. Künftig soll auch die Sitzhöhe an die Bedürfnisse der älteren Personen angepasst und eine konsequente Ausrichtung der Sitze in Fahrtrichtung vorgenommen werden, was sich positiv auf die Orientierung und das Wohlbefinden während der Fahrt auswirken wird. Zu den Neuerungen gehört auch, mit einem Rollator vorne beim Fahrer einsteigen zu können. „Der direkte Kontakt mit ihm ist älteren Menschen wichtig, es erhöht aber auch dessen Aufmerksamkeit, was zu einer verbesserten Sicherheit beim Ein- und Aussteigen beiträgt“, so Prof. Dr. Christian Haas. Nicht zuletzt wird der Weg zu einem geeigneten Sitzplatz kürzer – und viel bequemer, weil auch die Gänge breiter angelegt sein werden. Eines wurde anlässlich der RegioSignale nochmals deutlich: Gerade Menschen, die nicht im Zentrum größerer Städte oder Ballungszentren wie der Metropolregion FrankfurtRheinMain leben, sind auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, um Wege zum Arzt, zur Apotheke, dem täglichen Einkauf, aber auch zur Aufrechterhaltung ihrer Hobbys und Freizeitaktivitäten sicher zurücklegen zu können. Und noch sind die Verkehrsmittel nicht so eingerichtet, dass dies gewährleistet wäre. „Deshalb ist der erste Schritt, den Iveco Bus und DB Regio Bus nun gemeinsam mit uns gehen, essentiell“, meint Haas.

Forschung der Hochschule Fresenius ist Basis für die Busentwicklung

Haas und sein Team haben bei Tests in fahrenden Bussen ermittelt, welche Kräfte beim Anfahren, im Fahrbetrieb und beim Bremsen auf im Fahrzeug stehende Personen wirken. Außerdem haben die Forscher gemessen, wie viel Zeit Fahrgäste unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Einschränkungen zum Ein- und Aussteigen und zum Einnehmen eines Sitzplatzes brauchen. Dabei kam heraus, dass sich die Zeitdauer von älteren Personen im Vergleich zu jüngeren verdoppelt und bei in der Mobilität eingeschränkten Teilnehmern des öffentlichen Nahverkehrs sogar vervierfacht.

„Diese Forschungsergebnisse verdeutlichen, mit welchen verschiedenen Herausforderungen in der Mobilität eingeschränkte Menschen im Alltag zu kämpfen haben und welche Schwierigkeiten sie meistern müssen, um den Bedürfnissen des täglichen Lebens nachgehen zu können“, sagt Haas. „Umso wichtiger ist es, für sie entsprechende Voraussetzungen zu schaffen, damit sie sicher und mit dem nötigen Vertrauen in das Beförderungsmittel ihre Wege zurücklegen können. Der Umbau im Bus ist dafür ein ganz wesentlicher Schritt.“

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