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„Die Wirtschaft soll dem Menschen dienen, nicht umgekehrt“

Auch Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen, meint Gunnar Sohn. Foto: Martin Barraud / i-Stock
Auch Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen, meint Gunnar Sohn. Foto: Martin Barraud / i-Stock

Gunnar Sohn ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Fresenius und setzt sich für die Mündigkeit des Bürgers in der Ökonomie ein. Er sagt: „Wir können es anders gestalten.“

Die Wirtschaft sollte stärker auf die Nöte und Wünsche der Menschen zugeschnitten werden: So lässt sich die Lehrmeinung Gunnar Sohns zugespitzt zusammenfassen. Die Wirtschaft solle dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Das Verhältnis zwischen Konsument und Unternehmen habe sich mit dem Einzug der Digitalisierung schließlich gewandelt: Beide begegneten sich nun mehr auf Augenhöhe. Diese Erkenntnis werde aber bisher noch nicht von den Wirtschaftstreibenden erkannt.

Gunnar Sohn ist an der Hochschule Fresenius im Fachbereich Wirtschaft & Medien als Lehrbeauftragter für den Kernbereich Wirtschaftsethik zuständig. Gemeinsam mit Prof. Dr. Lutz Becker hat er in den Räumen der Hochschule Fresenius Köln die Konferenz „Next Economy Open“ (#NEO17x) ausgerichtet, bei der es um die Zukunft der Wirtschaft ging. Denn die betriebswirtschaftlichen Lehrmeinungen vergangener Zeiten müssen im digitalen Zeitalter gründlich überdacht werden: Was ist noch wissenschaftlich vertretbar? Wo muss nachgebessert werden?
Als Lehrbeauftragter vermittelt er den Studierenden der Hochschule Fresenius unter dieser Perspektive eine Mischung aus Volkswirtschaft und Wirtschaftsethik, wobei auch das Thema Unternehmensverantwortung (Corporate Responsibility) in den Lehrplan integriert ist. Dementsprechend gilt als Forschungsschwerpunkt in seinen Lehrveranstaltungen das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und den wirtschaftsethischen Leitsätzen einer nachhaltig agierenden Ökonomie. Zentral für die Forschung von Sohn ist die Frage, ob man in der Ökonomie normativ ausgerichtet sein kann.

Jeder einzelne Akteur trägt Verantwortung

Seine These hierzu: „Wenn ich Wirtschaftsethik mache, bin ich automatisch in einer normativen Schiene, was in der herrschenden Lehre der Wirtschaftsethik von Herrn Prof. Homann anders gesehen wird. Die betrachten einfach nach der Logik der Mainstream-Ökonomie die wirtschaftlichen Verhältnisse und fragen dann: Was muss die Rahmenordnung tun, damit die Player sich fair verhalten? Die Verantwortung wird weggeschoben von den Akteuren zu irgendetwas Metaphysischem. Das ist dann Herr Schäuble oder wer auch immer“, glaubt Sohn. Er sieht die Verantwortung hingegen bei jedem einzelnen Akteur, der sich wirtschaftlich betätigt. Sowohl beim Konsumenten als auch beim Unternehmer. Jeder sollte so agieren, dass seine ökonomischen Entscheidungen allgemein und weitsichtig tragbar sind.

In seinen Vorträgen vermittelt er den Studierenden in diesem Kontext auch die Konzepte zweier Antipoden der Philosophiegeschichte: Thomas Hobbes und Immanuel Kant. Hobbes gilt dabei als Vertreter eines absolutistischen Ansatzes, den er in seinem Werk „Leviathan“ zu begründen versucht und der für seine Theorie auf utilitaristische Argumente zurückgreift. Dagegen positioniert Sohn Immanuel Kant und dessen vernunftbasierten und aufgeklärten Theorieansatz.

Die Wirtschaftswissenschaft muss aktuellen Fragen angepasst werden

Ökonomie, so einer der zentralen Punkte der Forschung und des Lehrauftrags, ist Sohn zufolge „keine Himmelsphysik. Das ist ein humanes Feld, in dem wir uns bewegen. Wir können es als Menschen anders gestalten und da sind wir wieder bei Kant. So kommen wir zu der Frage, was Unternehmen tun können, um für ein gutes Leben zu sorgen.“ Die Wirtschaftswissenschaft sieht er dabei als ein System, das vom Menschen nach bestem Wissen und Gewissen an die aktuellen Fragen und Probleme unserer Zeit angepasst werden sollte. Dabei bleibe es zwar wichtig, stochastische Verfahren und die Möglichkeiten von Spieltheorie und Ökonometrie auszuschöpfen, die Wirtschaftslehre aber nicht auf diese zu begrenzen. Auch sozioökonomische und ethische Faktoren müssten in diese Wissenschaft mit hineinspielen und Berücksichtigung finden.

Weitere Informationen über die Konferenz „Next Economy Open“ (#NEO17x) in Köln finden Sie hier:

 

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