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Wie sieht das Gesundheitswesen von morgen aus?

Gerade die Möglichkeiten der Digitalisierung sollten nach Meinung vieler Experten im Gesundheitsbereich stärker genutzt werden.
Gerade die Möglichkeiten der Digitalisierung
sollten nach Meinung vieler Experten im
Gesundheitsbereich stärker genutzt werden.

Das deutsche Gesundheitswesen gilt vielen als vorbildlich. Damit das auch so bleibt, muss man dort aber mit der Zeit gehen und zum Beispiel die Möglichkeiten der Digitalisierung oder der Gentechnik nutzen. Vor kurzem diskutierten im Rahmen einer Veranstaltung an der Hochschule Fresenius Köln Experten, wie die Zukunft des Gesundheitswesens konkret aussehen könnte.

Wie wird unser Gesundheitswesen im Jahre 2025 aussehen? Wer wird die gestiegenen Kranken- und Medikamentenkosten bezahlen? Welche Vorteile bringt die Digitalisierung für Krankenhäuser und Arztpraxen? Und welche Risiken und Chancen birgt die personalisierte Medizin anhand einer DNA-Analyse? Über diese Fragen diskutierten am 19. Mai 2017 fünf Experten aus dem Beraternetzwerk „Healthcare Shapers“ mit Studierenden und Interessierten an der Hochschule Fresenius Köln. Organisiert wurde das hochkarätige Treffen von Prof. Dr. Thomas Teyke, Studiendekan Management und Ökonomie im Gesundheitswesen und Health Economics an der Hochschule Fresenius Köln. Alle Experten hatten eine These ausgearbeitet, die sie zu Anfang in einer allgemeinen Runde vorstellten. Anschließend wurden die Thesen in einzelnen Workshops diskutiert und weiterentwickelt.

Die Experten und ihre Thesen

  • Ulrich Schwanke, Arzt und seit mehr als zehn Jahren in der Beratung aktiv, ist überzeugt, dass Spitzenmedizin bald nur noch für Reiche angeboten werden wird, da die Medizin zwischen Kosten und Ethik gefangen sein wird.
  • Hanno Wolfram hat mehr als 30 Jahre Erfahrung in der internationalen Pharmaindustrie und glaubt, dass im Jahr 2025 Patienten, Ärzte und andere Heilberufe gemeinsam sowohl Krankheit als auch Gesundheit managen werden. Er beklagt, dass bisher alle Player im Gesundheitswesen getrennt voneinander agieren und viele Ärzte eher über als mit ihren Patienten reden.
  • Christian Milaster, der jahrelang an der Mayo-Clinic in den USA im Bereich Telemedizin tätig war, denkt die erst kürzlich ermöglichte Video-Sprechstunde konsequent weiter und behauptet: „Deutschland ist eine Wüste der Telemedizin.“ Mit spezieller Hardware und den entsprechenden Apps seien nicht nur virtuelle Vorgespräche, sondern komplette Untersuchungen per Video möglich, etwa die Puls- und EKG-Messung. Auch Rezept- und Terminvergaben könnten einfacher per Telefon oder E-Mail abgewickelt werden und so auch Fahrtkosten sparen. Milaster ist davon überzeugt, dass in 15 Jahren die Hälfte der Berührungspunkte im Gesundheitswesen virtuell abgewickelt werden.
  • Die Ärztin Claudia Ulbrich ist seit mehr als 30 Jahren in der Biotech-Branche aktiv und beschäftigt sich vorrangig mit der personalisierten Medizin, die dank DNA-Analysen per Speichelprobe möglich geworden ist. Mithilfe der individualisierten DNA-Entschlüsselung könnten Ärzte besser auf die Unterschiede ihrer Patienten eingehen und verstehen, warum bei dem einem eine Therapie anschlage und beim anderen nicht. Ihre These: „In 2025 wird die Dekodierung des genetischen Codes Kassenleistung sein und weniger als 100 Euro kosten.“ So soll eine maßgeschneiderte Therapie auf Basis der Gene möglich werden. „Wir können den genetischen Code wie eine Glaskugel für einen Blick in die Zukunft nutzen“, so Ulbrich. Im anschließenden Workshop zum Thema fragten die Teilnehmer allerdings kritisch nach, wie zum Beispiel die Versicherungen auf negative Prognosen reagierten und ob man überhaupt wirklich selbst von seinen späteren Krankheiten erfahren möchte.
  • Rüdiger Hochscheidt war mehr als 10 Jahre bei einem führenden Technologiekonzern tätig und ist seit fünf Jahren Berater in der Gesundheitsbranche. Er fragt sich: „Wie komme ich an den Patienten ran?“ Da bereits jeder zweite Deutsche das Internet oder Apps für Gesundheitsleistungen und -aufzeichnungen nutze, beschäftigt er sich mit der Sicherheit und Funktionalität von medizinischen Apps. In seinem Workshop versuchte er mit den Teilnehmern, ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Anwendungen datentechnisch kritisch und welche unbedenklich sind. In jedem Fall sollte man sich bewusstmachen, dass über die mobilen Endgeräte ein hohes Angriffspotential für Hacker bestehe.

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