Studentische Arbeiten

Der perfekte Vergleich?

„Können andere besser kochen als ich?“ –
Ist das die Frage, die sich die Zuschauer
von „Das perfekte Dinner“ stellen?

Seit einigen Jahren erfreut sich die TV-Kochsendung „Das perfekte Dinner“ großer Beliebtheit. Hundertausende verfolgen die Serie täglich im Abendprogramm. Aber was macht eigentlich ihren Reiz aus? Versuchen die Zuschauer durch die Sendung herauszufinden, wie gut andere Menschen in Deutschland kochen können, um sich dann selbst daran zu messen? Wollen sie wissen, wie andere wohnen? Mit diesen Fragen hat sich eine wirtschaftspsychologische Projektgruppe der Hochschule Fresenius Köln im Rahmen einer Studie beschäftigt. Die Gruppensprecherin Alina Ax fasst die Ergebnisse der Untersuchung im Interview zusammen.

adhibeo: Frau Ax, in Ihrer Projektarbeit haben Sie im Wintersemester 2015/16 untersucht, welche Zuschauermotive bei der TV-Kochsendung „Das perfekte Dinner“ eine Rolle spielen. Im Projektkatalog, der vor dem Semester von der Hochschule veröffentlicht wird und aus dem die Studierenden wählen können, finden sich ja viele verschiedene Projekte. Warum haben Sie sich ausgerechnet für dieses entschieden?

Alina Ax: Ich und die anderen Gruppenmitglieder schauen die Sendung gelegentlich auch privat. Uns hat selbst interessiert, warum so viele Leute täglich einschalten. Am Ende hat der konkrete Alltagsbezug dieses Thema für uns so interessant gemacht.

Sie haben sich also gefragt, warum die Zuschauer bei dieser Sendung einschalten. Welchen theoretischen Zugang zu dieser Fragestellung haben Sie gewählt?

Wir haben uns auf die Theorie des sozialen Vergleichs gestützt, die besagt, dass Menschen das Grundbedürfnis haben, sich mit anderen zu vergleichen. Durch die Informationen, die sie aus diesen Vergleichen ziehen, können sie darauf rückschließen, wie gut oder schlecht sie dastehen, welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen.

Ausgehend von dieser Theorie haben wir angenommen, dass Zuschauer „Das perfekte Dinner“ anschauen, um sich mit den Protagonisten der Sendung zu vergleichen – einerseits hinsichtlich der Wohnverhältnisse und andererseits in Bezug auf die Kochfertigkeiten.

Dann haben Sie diese Hypothesen anhand einer Befragung getestet. Wie sind Sie dabei vorgegangen und haben sich Ihre Hypothesen bestätigt?

Wir haben einen Fragebogen über die bekannten Social Networks verbreitet und am Ende immerhin 165 Personen zur Teilnahme bewegen können. Knapp 70 Prozent der Probanden waren weiblich, das Durchschnittsalter lag bei 26 Jahren.

Bei der Auswertung der Umfrage hat uns dann ein Befund besonders überrascht: Je stärker ein Proband grundsätzlich dazu neigt, sich sozial zu vergleichen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass er „Das perfekte Dinner“ ansieht. Auch wenn das Ergebnis beim ersten Hinsehen gegen die Theorie des sozialen Vergleichs spricht, könnte man es doch mit ihrer Hilfe erklären: Denn der Theorie zufolge vergleicht man sich eben eher mit den Menschen, denen man ähnelt – und möglicherweise nehmen die Probanden die Teilnehmer als nicht sehr ähnlich zu sich selbst wahr. Aber leider bleibt das nur eine Vermutung.

Wir konnten also nicht zeigen, dass das Bedürfnis nach sozialem Vergleich mit der Zuschauermotivation bei „Das perfekte Dinner“ zusammenhängt.

Wenn Sie Ihre Untersuchung noch einmal durchführen könnten, was würden Sie ändern?

Das Projektstudium an der Hochschule Fresenius

Damit das Studium an der Hochschule Fresenius größtmöglichen Praxisbezug aufweist, sind in die Curricula der Studiengänge sogenannte Projektstudien integriert. Im Fachbereich Wirtschaft & Medien können die Studierenden im 5. und 6. Semester ein Projekt absolvieren. Die Projektaufgabe wird dabei von einem Unternehmenspartner gestellt. Es kann hier um die Entwicklung einer neuen Marketing- oder PR-Strategie gehen, genauso aber auch um die Optimierung von Controllingprozessen oder die Evaluation von Personalentwicklungsmaßnahmen. Letztgenannte Fragestellung ist speziell auf die Kompetenzen der Wirtschaftspsychologen zugeschnitten, die im Vergleich zu den anderen Studierenden des Fachbereichs sogar drei Projektstudien absolvieren: Einem internen Projekt im 2. Semester folgen Projekte mit Kooperationspartnern im 3. und 6. Semester.

Kritisch ist, dass unsere Probanden größtenteils weiblich waren, was dann natürlich keine sinnvollen Rückschlüsse auf Männer erlaubt. Würde man unsere Studie wiederholen, sollte man für eine ausgeglichene Zusammensetzung der Stichprobe sorgen.

Interessant wäre es außerdem, eingefleischte Fans zu befragen, also diejenigen Zuschauer, die „Das perfekte Dinner“ mehrmals in der Woche im Fernsehen verfolgen. Sie unterscheiden sich vielleicht hinsichtlich ihrer Motive von den durchschnittlichen Zuschauern.

In Ihrer Projektarbeit haben Sie eine wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt. Könnten Sie sich eine Zukunft im Bereich Forschung vorstellen?

Da ich an meiner Bachelorarbeit arbeite, komme ich um den Bereich Forschung im Moment nicht herum. Ich untersuche, ob bei Frauen die eigene Attraktivitätsbeurteilung und der körperbezogene Selbstwert schlechter ausfallen, je nachdem, ob man den Probandinnen in einem Experiment Bilder von dünnen oder normalgewichtigen Models präsentiert.

Wenn ich damit im Januar fertig bin, möchte ich erst einmal ein Praktikum absolvieren und anschließend mit dem Master in Wirtschaftspsychologie beginnen. Ob ich nach diesem Abschluss dann in der Forschung bleibe, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Über die Projektgruppe: Alina Ax, Imke Franzaring, Charlotte Gatermann, Janika Haslob und Jens Wollscheid, Studierende der Hochschule Fresenius Köln, haben die Befragung im Wintersemester 2015/16 unter der Leitung von Dr. Kathrin Schütz durchgeführt. Die Studie war Teil ihres Projektstudiums.

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