Wissenschaftsblog

Zur Bedeutung der Informationstechnologie im Krankenhauswesen

Nur wenn alle Akteure eines Krankenhauses
die technische Infrastruktur auch konsequent
nutzen, macht eine Implementierung Sinn.

Ein Krankenhaus ist ein komplexes Gebilde: Menschen unterschiedlichster Ausbildung arbeiten dort zusammen – und am Ende des Tages doch für ein übergeordnetes Ziel: die Steigerung des Patientenwohls. Nicht immer wird dieses Ziel erreicht, wie die jüngsten Statistiken zu Behandlungsfehlern in deutschen Krankenhäusern zeigen. Eine optimal abgestimmte technische Infrastruktur kann dabei helfen, diese Fehler zu minimieren.

Nicht jeder Patient in Deutschland erhält die bestmögliche Behandlung: Im Jahr 2013 wurden rund 14 600 Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler registriert, das teilte der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen Anfang Mai mit. Angesichts von über 700 Millionen jährlichen Behandlungsfällen in Deutschland ist die Fehlerquote allerdings sehr gering. Dennoch gibt es natürlich Optimierungsbedarf. Eine Möglichkeit, die Zahl der vermuteten Behandlungsfehler in Zukunft zu senken, ist die Verbesserung der Informationslogistik in Krankenhäusern. Dort wurden immerhin rund 70 Prozent der Verdachtsfälle ausgemacht.

„Krankenhäuser sind ein hochkomplexes System, in dem viele unterschiedliche Akteure zusammenwirken“, erklärt Dr. Corinna Falge, Krankenhausberaterin und Lehrbeauftragte an der Business School der Hochschule Fresenius Hamburg. Damit die Handlungen dieser Akteure richtig koordiniert werden könnten und es nicht zum Austausch von Fehlinformationen käme – zum Beispiel im Zusammenhang mit der medikamentösen Behandlung eines Patienten –, sei eine leistungsfähige Informationstechnologie vonnöten.

In einem Aufsatz im Krankenhaus-IT Journal machen Falge und ihr Kollege Dr. Hans Hartweg, Studiengangsleiter Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fresenius Hamburg, aber auch klar, dass Investitionen in IT allein noch nicht ausreichen. Es müsse auch eine Anpassung der Organisationsstruktur an die technischen Infrastruktur vorgenommen werden, schreiben die Autoren.

Nur wenn alle Krankenhausmitarbeiter die technische Infrastruktur konsequent nutzen, lohnen sich Investition und Implementierung

„Wir beobachten immer wieder, dass Krankenhäuser viel Geld in IT-Projekte investieren – am Ende des Tages aber keinen Nutzen davon haben“, berichtet Falge aus ihrem Berateralltag. Dieses „Produktivitätsparadoxon“ aufzulösen sei ihre Aufgabe – die allerdings gar nicht so leicht zu bewältigen ist: „Häufig sind einzelne Krankenhausakteure so auf die Patientenbehandlung und ihr eigenes Expertenwissen konzentriert, dass das Erlernen neuer Arbeitswege keine Aufmerksamkeit erfährt. Hinzu kommt, dass keine Zeit für die Umorganisation zur Verfügung gestellt wird und die Überlastung verhindert, dass Innovationen nachhaltig implementiert werden. Aber wenn eben der eine Arzt die Information zur Medikamentenbehandlung noch per Zettel weitergibt und der andere den elektronischen Weg wählt, sind Missverständnisse – und damit auch Fehler – vorprogrammiert“, so Falge.

Gibt die Erfahrungen aus ihrem Berateralltag an Studierende der Hochschule Fresenius weiter: Dr. Corinna Falge.

Gibt die Erfahrungen aus ihrem Berateralltag an Studierende der Hochschule Fresenius weiter: Dr. Corinna Falge.

Bei der Implementierung technischer Systeme sei es deshalb zunächst wichtig, die Beteiligten vom Sinn und Zweck der Innovation zu überzeugen. „Die Auswirkungen auf die Patientensicherheit und nicht zuletzt auch auf die ökonomische Situation des Krankenhauses müssen verständlich gemacht werden“, rät Falge. Mit der Untersuchung der ökonomischen Effekte einer IT-Implementierung sei derzeit wieder eine Studentin der Hochschule Fresenius beauftragt.

„Im Bereich Organisation und Krankenhaus-IT gibt es grundsätzlich noch viel zu erforschen“, berichtet Falge. Gemeinsam mit ihren Kollegen von der XULON Consulting GmbH, deren Gesellschafterin Falge ist, und Studierenden der Hochschule Fresenius möchte sie hier gerne Licht ins Dunkle bringen – auch damit die Zahl der vermuteten Behandlungsfehler in deutschen Krankenhäusern in Zukunft weiter zurückgeht.

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