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Zu Befehl, Herr Manager!

Eine Führungsperson gibt den Mitarbeitern
auch heute noch die Richtung vor. Dass sie
dabei allerdings auf einen autoritären Stil
setzt, kommt immer seltener vor.

Ein autoritärer Führungsstil kommt auch heute noch in deutschen Unternehmen zum Einsatz. Damit sei eben sehr effizientes Vorgehen möglich, heißt es. Auch Bundeswehroffizier Michael Fuchs ist grundsätzlich dieser Ansicht. Schließlich arbeitet er in einem System, in dem das Prinzip „Befehl und Gehorsam“ fest verankert ist. In einem Gastvortrag an der Hochschule Fresenius München ließ er aber durchblicken, dass selbst bei der Bundeswehr autoritäre Führung in Reinform nicht mehr ständig vorkommt. Dr. Robert Paust, Organisationswissenschaftler an der Hochschule Fresenius, freut sich über diese Entwicklung. Er ist sich sicher: den einen richtigen Führungsstil gibt es nicht.

Michael Fuchs hat einen neuen Chef – besser gesagt, eine neue Chefin: Der Leutnant, kürzlich für einen Gastvortrag zu Besuch an der Hochschule Fresenius München, hört ab sofort auf die Anweisungen von Ursula von der Leyen. Sie hat Thomas de Maizière zum Jahresende 2013 als Verteidigungsminister abgelöst, zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland steht eine Frau an der Spitze der Bundeswehr.

„Ihr Wort gilt“, lässt Fuchs in seinem Vortrag keinen Zweifel an der Autorität seiner neuen Vorgesetzten aufkommen. Nicht nur an dieser Stelle wird seinen Zuhörern klar: Auch heute funktioniert die Bundeswehr noch nach dem Prinzip „Befehl und Gehorsam“. Dieses System sei schließlich sehr effizient, erläutert Fuchs, „denn es ist jederzeit allen Beteiligten klar, wer wem etwas zu sagen hat.“ Überflüssige, zeitintensive Diskussionen fielen dadurch weg, was gerade in Krisensituationen sehr nützlich ist: „Wenn es zu Personal- oder Materialausfällen kommt, dann müssen häufig schnelle Entscheidung getroffen werden – hier lässt sich eben keine Diskussionsrunde abhalten“, so Fuchs.

Dennoch ist sich der Leutnant bewusst, dass dieses Prinzip nicht immer funktioniert: „Die Befehlsstruktur beim Militär setzt voraus, dass der Dienstgradhöhere über die relevanten Informationen verfügt und besser entscheidet als sein Untergebener.“ Dies sei eine „Idealkonstruktion“, die man realen Gegebenheiten anpassen müsse. Und deshalb nimmt Fuchs die Meinungen Dienstgradniedriger sehr ernst und hört viel zu. Eine Menge Kommunikationsarbeit, schließlich befinden sich in der Fliegerhorststaffel am Bundeswehrstandort Erding über 20 dienstgradniedrigere Soldaten. Entgegen der Meinung vieler Menschen in Deutschland, rede er diese aber nicht ständig im Befehlston an, versichert Fuchs und ergänzt: „Auch bei der Bundeswehr setzt man heute auf situative Führung.“

Viele ehemalige Bundeswehroffiziere wechseln irgendwann in die Wirtschaft – dort sind ihre Fähigkeiten durchaus gefragt

Sollte Fuchs der Bundeswehr auch weiter treu bleiben, kann er noch weitere neun Hierarchiestufen hinaufklettern: Beim General, dem höchsten Posten in der Bundeswehr unterhalb der Ministerin, ist dann das Ende der Karriereleiter erreicht. Sofern er diese Karriere nicht anstreben will, hat er auch die Möglichkeit, in die freie Wirtschaft zu gehen – und den gleichen Weg einzuschlagen, wie viele vor ihm: „Zahlreiche sehr gut ausgebildete Offiziere wechseln nach ihrer Dienstzeit in Managementpositionen in der Wirtschaft“, weiß Dr. Robert Paust, Organisationswissenschaftler an der Hochschule Fresenius und Gründer des Instituts für die Gestaltung von Organisationsprozessen. Er hatte Fuchs in sein Seminar eingeladen, um den Studierenden zu zeigen, wie aktuell das Thema autoritäre Führung heute noch ist – und wo die Vor- und Nachteile eines militärisch geprägten Führungsstils liegen.

„Es ist durchaus sinnvoll, wenn man, wie die ehemaligen Offiziere, in der Lage ist, unzweideutige Ansagen zu machen und Veränderungen schnell und effizient durchzusetzen“, gibt Paust im Gespräch mit adhibeo zu. Allerdings, argumentiert er weiter, habe autoritäre Führung auch ganz klar ihre Grenzen – zumindest, wenn man sie in Reinform ausübt: „Der Austausch mit den Mitarbeitern kommt hier häufig zu kurz. Fehlt diese Auseinandersetzung, finden die vielleicht sehr wertvollen Diskussionsbeiträge der Mitarbeiter keinen Eingang in die Entscheidungsgenerierung.“ Das erhöhe zum einen das Risiko von Fehlentscheidungen und zum anderen litten Selbstständigkeit und Motivation der Mitarbeiter darunter.

Partizipative Führung wird wohl auch in Zukunft ein weit verbreitetes Modell bleiben – die Aussetzung der Wehrpflicht könnte hierbei eine Rolle spielen

Glaubt nicht an den einen richtigen Führungsstil: Dr. Robert Paust, Organisationswissenschaftler an der Hochschule Fresenius München.

Glaubt nicht an den einen richtigen Führungsstil: Dr. Robert Paust, Organisationswissenschaftler an der Hochschule Fresenius München.

„Man setzt bereits seit einigen Jahrzehnten verstärkt auf partizipativere Führungsstile“, erklärt Paust. Diesen Führungsstilen, bei denen Mitarbeiter teilweise offiziell, teilweise inoffiziell in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, rechnet Paust auch gute Zukunftschancen aus: „Seit der Aussetzung der Wehrpflicht kommen deutlich mehr junge Menschen, die sich nie an militärisch-autoritäre Führung gewöhnt haben, in der Wirtschaft an. Angesichts dessen werden Versuche der klassisch autoritären Führung wohl nicht mehr so gut wie früher akzeptiert werden – eine Herausforderung, nicht nur für ehemalige Offiziere in der Wirtschaft. Sich aber immer wieder auf neue Gegebenheiten einstellen zu müssen, sind letztere durchaus gewohnt.“

Welcher Stil sich letztlich durchsetzen wird, das kann auch Paust nicht beantworten. Dass es den einen richtigen Führungsstil nicht gibt, darin ist er sich aber sicher: „Es existieren sehr viele Führungsstile und -methoden, sie alle haben Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass man je nach Situation sein Führungsverhalten anpasst.“ Hierin dürfte ihm wohl auch Leutnant Michael Fuchs zustimmen – auch wenn das Prinzip „Befehl und Gehorsam“ weiterhin das Führungsverständnis bei der Bundeswehr bestimmen wird.

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