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Serie “Junge Unternehmen”, Teil 7: Bewegte Bretter

Am Anfang noch sind Startups zarte Pflänzchenin den Händen junger Unternehmerinnen undUnternehmer. Dann gilt es, sie ausreichend mitWasser zu versorgen - es soll ja etwas Großesdaraus entstehen.
Am Anfang noch sind Startups zarte Pflänzchen
in den Händen junger Unternehmerinnen und
Unternehmer. Dann gilt es, sie ausreichend mit
Wasser zu versorgen - es soll ja etwas Großes
daraus entstehen.

Mit 20 importierten Decks haben sie einst angefangen. Heute bieten Christian Sigmund und Julian Tacke, Gründer des Longboard-Onlineshops Urbanstoke, über 500 Produkte an. Demnächst eröffnen sie in Lüneburg ihr erstes Ladengeschäft. Sigmund, Absolvent der HS Fresenius Köln, wird davon allerdings nicht mehr viel haben: er zieht im Oktober nach Dublin, um dort für Google zu arbeiten.

„Die Beamten haben uns ziemlich komisch angeschaut“, erinnert sich Christian Sigmund, 25, an den Besuch beim Zollamt Hamburg vor vier Jahren. Damals waren er und sein Freund Julian Tacke auf die Idee gekommen, 20 Longboard Decks der Marke Bustin Boards aus New York einfliegen zu lassen – und die mussten jetzt verzollt werden. „Es gab 2009 zwei oder drei Longboard-Anbieter in Deutschland, aber keiner führte die Kultmarke Bustin Boards“, begründet Sigmund ihre Aktion, die gleichzeitig die Geburtsstunde ihres Unternehmens Urbanstoke markiert.

Die zwei Freunde, selbst leidenschaftliche Longboard-Fahrer, hatten den Markt richtig eingeschätzt: „Die 20 Decks waren schneller vergriffen als wir schauen konnten“, erzählt Sigmund. Das eingenommene Geld hätten sie dann sofort in ihren ersten Onlineshop investiert, der damals noch unter der Internetadresse crossroads-boardshop.de erreichbar war. Die Website kostete sie nur 20 Euro pro Monat, war aber dementsprechend auch nur nach dem Baukastenprinzip gestaltbar. „Wir sind dann schnell an Grenzen gestoßen“, so Sigmund weiter. Zu groß sei die Nachfrage gewesen, zu gering die Möglichkeiten, den Onlineshop nach eigenen Vorstellungen zu verändern.

Serie 'Junge Unternehmen'

Im Laufe ihres Studiums haben viele Studierende eine gute Geschäftsidee. Zumeist jedoch fehlt ihnen der Glaube an den eigenen Erfolg oder das Wissen über den Markt – die Idee bleibt in der Schublade liegen. Einige wenige aber wagen den nächsten Schritt und gründen ein eigenes Unternehmen. In unserer Serie „Junge Unternehmen“ stellen wir Fresenius-Absolventen vor, denen die Idee nicht genug war. Heute: Christian Sigmund, Mitgründer von Urbanstoke.
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Trotz des Erfolgs: Ihre akademische Ausbildung verloren die beiden Gründer nicht aus dem Blick

Deshalb erfolgte im Jahr 2011 der Umzug auf eine neue Domain und die Umbenennung des Firmennamens in Urbanstoke. Auch ein eigenes Büro wurde angemietet, zuvor hatten die beiden Freunde das Geschäft noch von Zuhause aus abgewickelt. Doch trotz dieser Veränderungen und einer enormen Vergrößerung des Sortiments – inzwischen war es auf 500 verschiedene Produkte angewachsen – blieb Urbanstoke für Christian Sigmund und Julian Tacke eine Teilzeitaufgabe. Denn schließlich war es erst einmal wichtig, die Uni zu Ende zu bringen: „Wir haben trotz des geschäftlichen Erfolgs unser Studium nicht aus den Augen verloren“, erklärt Sigmund. Heute darf er sich deswegen mit dem Titel Bachelor of Arts schmücken. Seinen Abschluss im Fach Medien- und Kommunikationsmanagement machte er Anfang 2013 an der HS Fresenius Köln.

Danach hat sich Sigmund wieder verstärkt seinem Unternehmen gewidmet, sich aber auch nach Jobs umgeschaut. Denn aufgrund seiner Erfahrungen im Umgang mit internationalen Kunden und Herstellern, bringt er für viele Stellenprofile die richtigen Voraussetzungen mit. Das finden wohl auch die Personalverantwortlichen von Google – und haben ihn gleich eingestellt: Sigmund tritt im Oktober einen der heißbegehrten Jobs in der Europazentrale der Firma in Dublin an und wird dort Werbekunden betreuen. „Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe“, gibt der 25-Jährige zu. Auch wenn es ihm schwer falle, Urbanstoke gerade jetzt den Rücken zu kehren: „Wir werden demnächst unseren Laden in Lüneburg eröffnen. Was dort in den nächsten Monaten passiert – da wäre ich natürlich schon gerne dabei gewesen!“ Aus der Ferne wird er diese Entwicklung aber mitverfolgen und sich regelmäßig mit seinem Unternehmenspartner Julian Tacke, der den stationären sowie den digitalen Handel nun hauptverantwortlich betreut, austauschen.

Das Longboard – eine Alternative zu anderen Fortbewegungsmitteln?

Christian Sigmund (v.l.) und Julian Tacke (v.r.) haben ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Christian Sigmund (v.l.) und Julian Tacke (v.r.) haben sich mit ihrem Hobby selbstständig gemacht.

Dass das Geschäft mit den Longboards auch ohne sein aktives Zutun in Zukunft laufen wird, dessen ist sich Sigmund sicher. Den Grund sieht er in der Funktionalität des Produkts: „Das Longboard ist nicht nur ein Lifestyle- und Sportprodukt – es ist vor allem ein bequemes und praktisches Fortbewegungsmittel. Das hat sich mittlerweile auch außerhalb der Szene herumgesprochen.“

Das Longboard als konkurrenzfähige Alternative zum Fahrrad? Für Sigmund auf jeden Fall: „Ich habe mich während meines Studiums fast nur auf Rollen durch die Stadt bewegt.“ Ob ihm diese Art der Fortbewegung auch in Dublin möglich ist, bleibt abzuwarten. Sein Longboard nimmt er vorsichtshalber aber mal mit.

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