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„CSR auf dem Lehrplan wird sich auszahlen“

Wurde zusammen mit ihrem Team mit dem
startsocial-Bundespreis ausgezeichnet: Dr.
Yvonne Glock, Dozentin an der HS Fresenius
Hamburg.

Corporate Social Responsibility – vielen erscheint dieser schillernde Begriff als Worthülse. Mit ihm würden sich Unternehmen bloß an der Oberfläche schmücken, die operative Ebene bleibe unbeeinflusst, so der Vorwurf. In Zukunft könnte sich das ändern: Ethik, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit – diese Themen stehen längst auf den akademischen Lehrplänen. „Den zukünftigen Managern wird dadurch die notwendige Sensibilität mitgegeben“, erklärt Dr. Yvonne Glock, Dozentin an der HS Fresenius Hamburg, im Interview. Die 31-Jährige hat zum Thema CSR ihre Doktorarbeit verfasst und außerdem mit dem Sozialprojekt „Jedem einen Abschluss“ den startsocial-Bundespreis gewonnen.

adhibeo: Frau Dr. Glock, Sie haben das Projekt „Jedem einen Abschluss“ gecoacht. Es wurde Anfang Juni mit dem startsocial-Bundespreis ausgezeichnet, dessen Schirmherrin Bundeskanzlerin Angela Merkel ist. Was bedeutet diese Auszeichnung?

Yvonne Glock: Eine tolle Sache für alle Beteiligten! Insgesamt wurden 25 Projekte im Bundeskanzleramt geehrt. Sieben von ihnen – die Projekte, die sich während der Coaching-Phase besonders weiterentwickelt hatten – erhielten sogar eine zusätzliche Auszeichnung und ein Preisgeld in Höhe von 5000 Euro. Auch das Team von „Jedem einen Abschluss“ durfte sich darüber freuen.

Was verbirgt sich hinter dem Projekt?

Bei dem Projekt werden Hauptschüler betreut, die Gefahr laufen, ihren Hauptschulabschluss nicht zu schaffen. Leider gibt es dort ja eine viel zu hohe Abbruchquote. Deswegen werden Risikoschüler von Lehramtsstudierenden unterstützt. Neben der fachlichen Förderung geht es dabei vor allem darum, den Jugendlichen beizubringen, sich selbst zu organisieren. Denn in den seltensten Fällen scheitern sie, weil sie nicht intelligent genug sind.

Sie haben das Projekt als Coach betreut. Was war dabei Ihre Aufgabe?

Die Idee hinter startsocial ist, dass sozialen Projekten externe Personen als Berater zur Seite gestellt werden. Diese sogenannten Coaches agieren auf freiwilliger Basis und verfügen über Erfahrungen in wirtschaftlichen Unternehmen. Wir, mein Kollege Stefan Bügler und ich, wurden dem Verein „SchlauFox“, der hinter dem Projekt „Jedem einen Abschluss“ steht, als Coaches zugeordnet. Der Verein wollte seinen Außenauftritt verbessern und eine neue Fundraising-Strategie entwickeln, hier haben wir versucht, uns einzubringen. Bevor wir uns aber damit auseinandersetzen konnten, haben wir uns die Organisationsstruktur des Vereins angesehen: Dort waren die Zuständigkeiten teilweise unklar geregelt, außerdem waren die Vorgänge zu wenig schriftlich fixiert. Also haben wir uns zunächst darum gekümmert.

Das klingt sehr stark nach klassischen Managementaufgaben. Braucht es im sozialen Sektor mehr gut ausgebildete Manager, die karitative Projekte auch zum Erfolg führen?

Nicht unbedingt. Natürlich sind die Werkzeuge der BWL geeignet, um derartige Organisationen zu verbessern. Dennoch glaube ich, dass ein Betriebswirt vielleicht zu sehr auf die monetären Aspekte achtet. Im sozialen Sektor sind überwiegend sehr idealistische Menschen tätig – das geht dann manchmal nicht zusammen.

Damit es eben doch zusammengeht, wurden in Deutschland Studiengänge geschaffen, die ein Verständnis für beide Seiten ausbilden sollen. An der HS Fresenius gibt es zum Beispiel den Masterstudiengang „Sustainable Marketing & Leadership“. Grundsätzlich aber wurde der Bedarf an akademisch ausgebildeten „Sozialmanagern“ relativ spät entdeckt: erst seit 2002 gibt es entsprechende Studienangebote. Warum hat die Akademisierung dieses Berufsbildes so lange auf sich warten lassen?

Ich glaube, die Bedeutung karitativer Organisationen wurde hierzulande lange Zeit ignoriert. Deutschland wäre ohne sie nicht so gut aufgestellt, da in Vereinen und sozialen Projekten viele Aufgaben geleistet werden, die der Staat oder die Privatwirtschaft nicht leisten. In den letzten Jahren ist hier aber ein Umdenken zu beobachten – auch in der akademischen Welt, wo zum Beispiel Themen wie Corporate Social Responsibility ihren festen Platz in den Lehrplänen gefunden haben. Heute ist CSR nicht mehr ausschließlich auf den sozialen Sektor begrenzt. Auch Unternehmen müssen sich damit auseinandersetzen: Die Gesellschaft fordert von ihnen, sich ihrer sozialen Verantwortung zu stellen und nachhaltig zu wirtschaften.

Sie haben Ihre Doktorarbeit darüber verfasst, wie man CSR in einem Unternehmen implementiert. Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Wer CSR in einem Unternehmen einführen will, der muss zunächst einmal die Führungskräfte für das Thema sensibilisieren. Mit ihnen müssen Ziele vereinbart werden, die die Umsetzung von CSR-Maßnahmen beinhalten. Diese Ziele dürfen dabei natürlich nicht als Ballast empfunden werden. Es geht vielmehr darum, Empfindsamkeiten für soziale und ökologische Fragestellungen zu wecken: „Was kann ich einsparen? Wie kann ich umweltschonender produzieren?“ – diese Fragen müssen stärker ins Bewusstsein rücken.

Nun unterstellen Kritiker, dass es sich bei CSR-Maßnahmen häufig nur um kosmetische Verbesserungen handeln würde. Die operative Ebene bleibe meist unbeeinflusst, heißt es. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

Ich kann diese Kritiker leider nicht ganz widerlegen. Einige Unternehmen sind reaktiv tätig, das heißt, sie reagieren auf Druck von außen. Diese Unternehmen integrieren die Maßnahmen dann in ihr Geschäftsmodell, andere Unternehmen jedoch betreiben CSR unstrategisch und oberflächlich: Es bleibt bei Lippenbekenntnissen. Natürlich gibt es aber auch Unternehmen, die sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind und mit positivem Beispiel vorangehen.

Glauben Sie, dass sich das in Zukunft verbessern wird? Immerhin steigen nun langsam jene Personen in die Führungsriegen auf, die sich mit dem Thema CSR schon während des Studiums auseinandergesetzt haben.

Ich glaube, das wird sich auszahlen. Den zukünftigen Managern wird dadurch die notwendige Sensibilität mitgegeben. Sie werden sich dementsprechend anders verhalten.

Yvonne Glocks Doktorarbeit ist unter dem Titel „Darstellung und Umsetzung der Implementierung von Corporate Social Responsibility (CSR)“ im Verlag Dr. Kovac erschienen.

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